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EPD in der Schweiz: Was Apotheken jetzt wissen müssen

EPD in der Schweiz: Was Apotheken jetzt wissen müssen

Das elektronische Patientendossier (EPD) ist das grösste Digitalisierungsprojekt des Schweizer Gesundheitswesens. Seit April 2023 sind Spitäler und Geburtshäuser zur Einführung verpflichtet. Für Apotheken gilt: freiwillig – aber strategisch klug.

Was ist das EPD genau?

Das EPD ist kein zentrales Register, sondern eine dezentrale Infrastruktur. Gesundheitsfachpersonen und Patienten können über zertifizierte Stammgemeinschaften (Communities) auf gesundheitsrelevante Dokumente zugreifen – etwa Medikamentenlisten, Laborwerte, Notfalldaten und Impfausweise.

Wichtig: Der Patient entscheidet, wer Zugriff erhält. Ohne ausdrückliche Freigabe sieht die Apotheke nichts.

Warum sollten Apotheken angeschlossen sein?

1. Vollständigere Medikamentenliste

Wenn ein Patient vom Hausarzt und vom Spezialisten gleichzeitig verschriebene Medikamente hat, ergibt sich oft ein unvollständiges Bild. Mit EPD-Zugang und Patientenbewilligung können Apothekerinnen die gesamte aktuelle Medikation einsehen – ein Game Changer für die Interaktionsprüfung.

2. Impfausweis und Notfalldaten

Bei Reiseimpfberatungen oder Notfallsituationen bietet das EPD sofortigen Zugriff auf relevante Dokumente – ohne Papierchaos.

3. Positionierung

Apotheken, die EPD-angebunden sind, signalisieren Professionalität und Zukunftsorientierung. In der zunehmenden Konkurrenz durch Online-Apotheken ist das ein messbares Unterscheidungsmerkmal.

Die Stammgemeinschaften in der Schweiz

CommunityRegion/FokusAnmerkung
CaraRomandieGrosse Westschweizer Community
AxsanaDeutschschweizGrösste Deutschschweizer Community
EmedoZentralschweizRegional verankert
ElexsOstschweizIn Aufbau

Apotheken wählen eine Stammgemeinschaft und schliessen einen Vertrag ab. Die technische Integration erfolgt über das Praxissystem (z.B. Ofac, Triamun, Propha).

Der Anschlussprozess Schritt für Schritt

  1. Stammgemeinschaft wählen: Basierend auf Kanton und Softwareanbieter
  2. Identifikationslösung einrichten: Jede Fachperson benötigt eine elektronische Identität (z.B. via HIN oder SwissID)
  3. Software-Anbindung prüfen: Softwareanbieter kontaktieren – die meisten haben fertige EPD-Module
  4. Team schulen: Datenschutz, Zugriffsrechte, Workflow im HV erklären
  5. Patienten informieren: EPD-Awareness schaffen – viele Patienten wissen nicht, dass sie ein Dossier eröffnen können

Kosten und Aufwand

Die laufenden Kosten variieren je nach Community und Softwaremodul, bewegen sich aber typischerweise zwischen CHF 200 und 500 pro Jahr für eine Einzelapotheke. Der initiale Einrichtungsaufwand beträgt erfahrungsgemäss zwei bis vier Arbeitstage inklusive Schulung.

Fazit

Das EPD ist kein Bürokratieprojekt – es ist pharmazeutisches Handwerkszeug für die Zukunft. Wer heute anschliesst, sichert sich einen Informationsvorsprung, der morgen zur Selbstverständlichkeit wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.


Stand: März 2026. Weitere Informationen: eHealth Suisse

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Thomas Wurst

Autorin/Autor bei Dispensio.

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