Fachkräftemangel: Wie moderne Teamführung zum Wettbewerbsvorteil wird

Der Fachkräftemangel beschäftigt Schweizer Apotheken seit Jahren. Offene Stellen bleiben länger unbesetzt, die Arbeitsbelastung steigt und die Erwartungen jüngerer Generationen an Arbeitgeber verändern sich. Doch während viele Betriebe primär über Rekrutierung sprechen, zeigt die Praxis: Wer Mitarbeitende langfristig halten kann, gewinnt. Moderne Führung, flexible Arbeitsmodelle und eine starke Teamkultur werden zunehmend zu entscheidenden Erfolgsfaktoren für Apotheken.

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Verena Wegener · June 1, 2026 · 3 min read
Fachkräftemangel: Wie moderne Teamführung zum Wettbewerbsvorteil wird

Eckpunkte

  • Fachkräftemangel macht Mitarbeiterbindung zu einem zentralen Erfolgsfaktor für Apotheken.
  • Führungskultur und Teamklima beeinflussen die Fluktuation oft stärker als der Lohn.
  • Flexible Arbeitsmodelle erhöhen die Attraktivität als Arbeitgeber deutlich.
  • Wertschätzung, Weiterbildung und transparente Kommunikation fördern Motivation und Loyalität.

Fachkräfte sind knapp und die Konkurrenz wächst

Die Schweizer Gesundheitsbranche gehört zu den am stärksten vom Fachkräftemangel betroffenen Sektoren. Gemäss dem nationalen Fachkräftemonitoring des Bundes zählt das Gesundheitswesen seit Jahren zu den Berufsgruppen mit besonders ausgeprägtem Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig nimmt der Bedarf an pharmazeutischen Dienstleistungen kontinuierlich zu, von Impfungen über Medikationsanalysen bis hin zur erweiterten Patientenberatung.

Auch die Apothekenbranche spürt diesen Druck deutlich. Viele Apotheken berichten von längeren Rekrutierungszeiten, steigenden Lohnforderungen und einer zunehmenden Konkurrenz um qualifizierte Apotheker und Pharma-Assistenten. Hinzu kommt die demografische Entwicklung: Ein erheblicher Teil der heutigen Fachkräfte wird in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen.

Die Folge: Mitarbeitende werden zu einer strategischen Ressource. Wer Personal verliert, verliert nicht nur Know-how, sondern häufig auch Kundenbeziehungen und betriebliche Stabilität.

Warum Mitarbeitende kündigen

Interessanterweise zeigen zahlreiche internationale Studien, dass Mitarbeitende selten ausschliesslich wegen des Lohns kündigen. Viel häufiger spielen Faktoren wie Führungsverhalten, Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitsbelastung und Teamklima eine Rolle.

Eine Studie von Gallup zeigt, dass Führungskräfte einen erheblichen Einfluss auf die Mitarbeiterbindung haben. Schlechte Führung gilt als einer der häufigsten Kündigungsgründe.¹

Auch in Apotheken sind diese Faktoren relevant. Mitarbeitende wünschen sich heute:

  • Wertschätzung und regelmässiges Feedback
  • Klare Kommunikation und transparente Entscheidungen
  • Flexible Arbeitszeitmodelle
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Sinnstiftende Aufgaben und Eigenverantwortung

Gerade jüngere Generationen legen zunehmend Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance und eine Unternehmenskultur, die persönliche Entwicklung fördert.

Führung im Wandel: Vom Chef zum Coach

Das klassische Führungsverständnis, bei dem Entscheidungen ausschliesslich von der Apothekenleitung getroffen werden, verliert zunehmend an Bedeutung.

Moderne Führung basiert stärker auf Vertrauen, Einbindung und Kommunikation. Erfolgreiche Apothekenleiter verstehen sich heute oft als Coach ihres Teams. Sie schaffen Rahmenbedingungen, in denen Mitarbeitende Verantwortung übernehmen und ihre Stärken einbringen können.

Konkret bedeutet dies:

  • Regelmässige Mitarbeitergespräche statt ausschliesslich jährlicher Beurteilungen
  • Einbindung des Teams bei Prozessverbesserungen
  • Offene Fehlerkultur
  • Individuelle Förderung von Talenten
  • Transparente Zielvereinbarungen

Studien zeigen, dass Mitarbeitende, die sich in Entscheidungen eingebunden fühlen, deutlich engagierter arbeiten und ihrem Arbeitgeber länger treu bleiben.²

Flexible Arbeitsmodelle als Wettbewerbsvorteil

Teilzeitmodelle, Jobsharing und flexible Dienstplanung sind längst keine Sonderlösungen mehr, sondern werden zunehmend zum Standard.

Insbesondere Apothekerinnen und Pharma-Assistentinnen wünschen sich häufig Arbeitsmodelle, die Familie, Weiterbildung oder persönliche Interessen mit dem Beruf vereinbaren lassen.

Für Apotheken bedeutet dies zwar einen höheren organisatorischen Aufwand. Gleichzeitig kann Flexibilität jedoch ein entscheidender Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung sein.

Eine Untersuchung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands zeigt, dass flexible Arbeitsbedingungen zu den wichtigsten Faktoren bei der Arbeitgeberwahl zählen.³

Konflikte früh erkennen und professionell lösen

Wo Menschen eng zusammenarbeiten, entstehen zwangsläufig Spannungen. In Apotheken können Konflikte durch hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck oder unterschiedliche Erwartungen entstehen.

Problematisch wird es, wenn Konflikte ignoriert werden. Unausgesprochene Spannungen wirken sich oft negativ auf Motivation, Teamleistung und letztlich auch auf die Kundenzufriedenheit aus.

Bewährte Instrumente sind:

  • Regelmässige Teammeetings
  • Klare Verantwortlichkeiten
  • Frühzeitige Feedbackgespräche
  • Externe Moderation bei festgefahrenen Konflikten
  • Verbindliche Kommunikationsregeln im Team

Eine konstruktive Konfliktkultur stärkt nicht nur die Zusammenarbeit, sondern reduziert auch krankheitsbedingte Ausfälle und Fluktuation.

Lohn bleibt wichtig, ist aber nicht allein entscheidend

Natürlich spielt die Vergütung weiterhin eine wichtige Rolle. Besonders in Regionen mit hohem Wettbewerb um Fachkräfte müssen Apotheken marktgerechte Löhne anbieten.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Zusatzleistungen häufig einen ähnlich hohen Stellenwert besitzen:

  • Übernahme von Weiterbildungs- und FPH-Kosten
  • Zusätzliche Ferientage
  • Flexible Dienstplanung
  • Gesundheitsfördernde Angebote
  • Beteiligung an Erfolgen oder Bonusmodelle

Für viele Mitarbeitende entsteht Arbeitgeberattraktivität aus dem Gesamtpaket und nicht allein aus dem Grundgehalt.

Kompakt

Der Fachkräftemangel wird die Schweizer Apothekenbranche auch in den kommenden Jahren begleiten. Langfristig erfolgreich werden jene Betriebe sein, die Personal nicht nur suchen, sondern gezielt entwickeln und binden. Moderne Führung, eine wertschätzende Unternehmenskultur und flexible Arbeitsmodelle sind dabei keine «Soft Factors», sondern betriebswirtschaftliche Erfolgsfaktoren. Wer heute in sein Team investiert, sichert sich morgen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Referenzen
  1. Gallup (2024): State of the Global Workplace Report 2024. Washington D.C.
  2. Gallup (2023): Employee Engagement Meta-Analysis. Washington D.C.
  3. Schweizerischer Arbeitgeberverband (2024): Arbeitsmarktmonitor Schweiz 2024.
  4. Bundesamt für Statistik (BFS): Arbeitsmarktindikatoren Gesundheitswesen Schweiz, aktuelle Ausgaben.
  5. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Gesundheitspersonal in der Schweiz – Entwicklungen und Herausforderungen, Bern.
  6. Obsan – Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (2024): Gesundheitspersonal in der Schweiz. Prognosen und Herausforderungen bis 2040. Bern.
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Verena Wegener

Autorin/Autor bei Dispensio.

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