Hauterkrankungen erkennen und begleiten: Triage in der Apotheke

Die Schweiz hat hohe Hautkrebsraten. Apotheken sind erste Anlaufstelle für Hautveränderungen. Neben Pflege- und OTC-Beratung ist Triage essenziell, um ärztliche Abklärung zu erkennen. Dieser Artikel beleuchtet häufige Hauterkrankungen und die Apothekenrolle in der Versorgung.

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Rosa Berg · May 25, 2026 · 27 min read
Hauterkrankungen erkennen und begleiten: Triage in der Apotheke

Die Schweizer Hautgesundheits-Lage ist von zwei Phänomenen geprägt, die sich gegenseitig verstärken: einer hohen UV-Exposition durch alpines Freizeitverhalten und einer alternden Bevölkerung, in der kumulative Lichtschäden klinisch manifest werden. Im BAG-Monitoringsystem MonAM ist über den Zeitraum 1983–1987 bis 2018–2022 ein Anstieg der altersstandardisierten Melanom-Inzidenz von 13 auf 29 Fälle pro 100'000 Einwohner dokumentiert – eine Verdopplung in 35 Jahren. Die Krebsliga Schweiz beziffert die jährliche Neuerkrankung an malignem Melanom auf rund 3'500 Personen, die Mortalität auf rund 300 Personen, und schätzt die jährliche Inzidenz des weissen, nicht-melanotischen Hautkrebses (Basalzell- und Plattenepithelkarzinom) auf rund 25'000 Fälle.

Die Apothekenrolle in der Dermatologie ist in der Schweiz seit Jahren wachsend, weil sie strukturell der niedrigschwelligste Zugangspunkt für hautbezogene Fragen ist. Eine Patientin, die einen Ausschlag oder einen juckenden Plaque hat, fragt häufig zuerst in der Apotheke – noch vor dem Termin bei der Hausärztin oder dem Dermatologen. Die Konsequenz: Eine grosse Bandbreite des Beratungs- und Verkaufsaufwands der Schweizer Offizin betrifft Hautanwendungen – von Basispflege und Sonnenschutz bis zu komplexer Topika-Verordnungsbegleitung.

Die Aufgabe der Apothekenfachperson am HV-Schalter ist dabei selten die Verordnung – sie ist meistens die Triage. Vier Triage-Entscheidungen sind in der täglichen Praxis besonders häufig und besonders folgenreich: (1) Reicht reine Hautpflege (Emollienzien, Reinigungsprodukte, Sonnenschutz)? (2) Ist eine OTC-Behandlung (z.B. Hydrocortison 0.5 %, Clotrimazol, Bufexamac, Salicylsäure, Schieferöl) ausreichend und vertretbar? (3) Braucht es eine ärztliche Verordnung – und ist die Hausärztin oder die Dermatologin der richtige Adressat? (4) Liegt eine Red Flag-Konstellation vor, die in die zeitnahe dermatologische Sprechstunde gehört (Verdacht auf Malignität, schwerer akuter Verlauf, lebensbedrohliche Allergie, schwere Pustulose, periorales Ekzem mit Augenbeteiligung, etc.)? Die folgenden Sektionen besprechen die häufigsten Krankheitsbilder mit ihren konkreten Triage-Kriterien und Schweizer Therapieoptionen 2026.

Atopische Dermatitis: Stufentherapie und die neue Biologika-Landschaft

Die atopische Dermatitis (AD, synonym: atopisches Ekzem, Neurodermitis) ist eine chronisch-entzündliche, schubhaft verlaufende Hauterkrankung. Schweizer und internationale Schätzungen geben die Lebenszeitprävalenz im Kindesalter bei 15–30 Prozent und bei Erwachsenen bei 2–10 Prozent an. Die Diagnose wird klinisch gestellt nach Hanifin-und-Rajka-Kriterien: mindestens drei Majorkriterien (Juckreiz, typische Morphologie und Verteilung, chronisch-rezidivierender Verlauf, persönliche oder familiäre Atopie-Anamnese) plus mindestens drei Minorkriterien (trockene Haut, palmare Hyperlinearität, erhöhtes Gesamt-IgE, Cheilitis, Dennie-Morgan-Falte, Pityriasis alba u.a.).

Therapie-Stufenkonzept (gemäss EuroGuiDerm Living Update 2025 und deutscher AWMF-S3-Leitlinie, für die Schweiz adaptiert):

Stufe 1 – Basistherapie für alle. Tägliche, ausreichend hochdosierte Anwendung von Emollienzien (Lipidgehalt typischerweise 10–20 %, mit oder ohne Harnstoff/Glycerin/Ceramide). Ein 200-g-Tubenverbrauch pro Woche bei Erwachsenen ist ein realistischer Zielwert; ein zu geringer Verbrauch ist ein häufiger Adhärenz-Indikator und ein Beratungsanlass.

Stufe 2 – Topische antiinflammatorische Therapie für leichte bis mittelschwere AD. Topische Glucocorticoide (TKS) nach Klassen I–IV: Klasse III/IV (z.B. Mometasonfuroat, Methylprednisolonaceponat) für Schübe an Stamm und Extremitäten; Klasse I/II (z.B. Hydrocortison) für Gesicht und intertriginöse Bereiche. Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI: Tacrolimus 0.03 %/0.1 % (Protopic®), Pimecrolimus 1 % (Elidel®)) sind eine wertvolle steroidfreie Alternative für Gesicht, Lider und Hautfalten sowie als proaktive Erhaltungstherapie 2×/Woche an Prädilektionsstellen. Protopic® 0.03 % ist in der Schweiz ab 2 Jahren zugelassen, Protopic® 0.1 % nur für Erwachsene; Elidel® ab 2 Jahren. Wichtig: Beim Therapiebeginn kann lokal ein vorübergehendes Brennen auftreten, das nach 5–7 Tagen abklingt – ein häufiger Adhärenz-Brecher, der in der Apotheken-Beratung vorab zu erwähnen ist.

Stufe 3 – Systemtherapie bei mittelschwerer bis schwerer AD. Hier hat sich die Therapielandschaft in den letzten 8 Jahren grundlegend verändert. Während früher Ciclosporin (Sandimmun® Neoral®, in der Schweiz ab 16 Jahren für schwere AD zugelassen, 2.5–5 mg/kg/Tag, Therapiezyklus max. 8 Wochen), Methotrexat oder Azathioprin (off-label) die einzigen Optionen waren, stehen heute zielgerichtete Substanzen zur Verfügung:

  • Dupilumab (Dupixent®): humanisierter Anti-IL-4/IL-13-Rezeptor-Antikörper; Swissmedic-Erstzulassung 5.4.2019 (Zul.-Nr. 66649), seit Oktober 2023 Erweiterung ab dem Alter von 6 Monaten zugelassen (eines der am breitesten zugelassenen Biologika in der pädiatrischen Dermatologie; Grundlage LIBERTY AD PRESCHOOL-Studie). Initialdosis und 14-tägige Erhaltungsdosis subkutan. Schweizer Spezialitätenliste-Limitatio: IGA 4 oder SCORAD > 50 oder EASI ≥ 21.1; vorgängige Konsultation des Vertrauensarztes; vorgängiges unzureichendes Ansprechen auf topische Therapie + Phototherapie (sofern verfügbar) + ein konventionelles Immunsuppressivum während mindestens einem Monat oder Kontraindikationen. Häufige Nebenwirkung: Konjunktivitis (Inzidenz je nach Studie und Setting 10–30 % in klinischer Praxis, in randomisierten Vergleichsstudien teils nur 1.7 %; frühzeitiges Gegensteuern mit künstlichen Tränen empfohlen). Zusätzlicher Effekt auf Typ-2-Komorbiditäten (Asthma ab 6 J., chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen ab 18 J., Prurigo nodularis seit 2024 in CH zugelassen, eosinophile Ösophagitis).
  • Tralokinumab (Adtralza®): humaner Anti-IL-13-Antikörper; in der Schweiz ab 18 Jahren zugelassen. ECZTRA-3-Studie: EASI-75 bei 56 % der Patienten nach 16 Wochen. Bei gutem Ansprechen Verlängerung des Injektionsintervalls auf 4 Wochen möglich.
  • Lebrikizumab (Ebglyss®): humaner Anti-IL-13-Antikörper, der mit hoher Affinität selektiv IL-13 bindet. Von Swissmedic am 30.08.2024 zugelassen für mittelschwere bis schwere AD bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht ≥ 40 kg, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen. Dosierung: zwei Initialdosen à 500 mg (je 2× 250 mg s.c.) in Woche 0 und 2, anschliessend 250 mg alle 2 Wochen bis Woche 16, danach Erhaltungsdosis 250 mg alle 4 Wochen (bei manchen Patienten 250 mg alle 8 Wochen ausreichend). Häufige Nebenwirkungen: Konjunktivitis, Augenrötung und -juckreiz, Injektionsstellenreaktion, trockene Augen. Kostengutsprache durch Krankenversicherer nach Konsultation des Vertrauensarztes nötig.
  • JAK-Inhibitoren (oral) – Baricitinib (Olumiant®), Upadacitinib (Rinvoq®), Abrocitinib (Cibinqo®): alle in der Schweiz ab 18 Jahren zugelassen. Vorteil: rascher Wirkeintritt (1–2 Wochen). Sicherheitshinweise: Black-Box-Warnung der FDA für kardiovaskuläre Ereignisse, Thrombosen und maligne Erkrankungen; vor Verordnung Risikoabwägung – v.a. bei Patienten >65 Jahre, Rauchern, kardiovaskulärer Vorgeschichte oder Tumoranamnese. Laborkontrollen vor und während Therapie erforderlich.
  • Weitere Substanzen in Entwicklung oder im Zulassungsverfahren werden die Optionspalette in den nächsten Jahren weiter erweitern.

Topische JAK-Inhibitoren und neue Substanzklassen. Topisches Ruxolitinib (Opzelura® 1.5 % Creme) ist von Swissmedic am 30.01.2025 zugelassen worden, allerdings nur für die Behandlung der nicht-segmentalen Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren (Spezialitätenliste seit Juni 2025). Die US-Indikation «atopische Dermatitis» ist in der Schweiz nicht zugelassen. Delgocitinib (Anzupgo® 20 mg/g Creme) ist von Swissmedic am 13.11.2024 für mittelschweres bis schweres chronisches Handekzem bei Erwachsenen zugelassen (Aufnahme Spezialitätenliste 1.3.2025). Tapinarof (Vtama®, AhR-Modulator) und topisches Roflumilast (Zoryve®) sind in den USA für Psoriasis und atopische Dermatitis zugelassen, in der Schweiz zum Stand Mai 2026 jedoch nicht; das orale Roflumilast (Daxas®) ist in der Schweiz seit 2011 für schwere COPD zugelassen – dies ist eine andere Indikation und Darreichungsform.

Apothekenrolle bei AD. Schwerpunkte: (a) Basispflege-Adhärenz-Coaching (genug Emolliens, richtige Anwendungsmenge, Fingerlängen-Regel: Klasse-III-TKS auf zwei flachen Erwachsenen-Handflächen entspricht etwa einer Fingerendglied-Länge); (b) Beratung zur richtigen Anwendung von TKS (Schub-Therapie 1×/Tag für 7–14 Tage, dann Auslassversuch); (c) Begleitung der proaktiven Erhaltungstherapie mit TCI; (d) bei Biologika-Patienten: Praktische Begleitung (Injektionstechnik, Lagerung, Symptome wie Konjunktivitis frühzeitig adressieren). Triage zur Dermatologie ist indiziert bei: schwerem Verlauf trotz adäquater topischer Therapie, Verdacht auf Superinfektion (impetiginisiert, Eczema herpeticatum mit grouped vesicles, akuter Verschlechterung), schwerer Beeinträchtigung der Lebensqualität, Verdacht auf Differenzialdiagnose (Psoriasis, Skabies, kontaktallergisches Ekzem).

Akne: Fixkombinationen, Trifaroten und der Schweizer Isotretinoin-Standard

Akne vulgaris ist in der Schweiz die häufigste chronische Hauterkrankung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Aktuelle Schätzungen gehen von rund 600'000 Betroffenen in der Schweiz aus, davon 70–95 Prozent der Jugendlichen zumindest zeitweise. Pathophysiologisch beruht Akne auf einem Zusammenspiel von Hyperseborrhö, follikulärer Hyperkeratose, Besiedelung mit Cutibacterium acnes und Entzündungsreaktion. Klinisch werden drei Schweregrade unterschieden: leichte komedonale Akne (Akne comedonica), mittelschwere papulopustulöse Akne (Akne papulopustulosa) und schwere knotige/konglobate Akne. Adulte Akne (Acne tarda, vor allem bei Frauen ≥25 J.) ist ein eigenständiges, häufig hormonell mitbedingtes Krankheitsbild mit oft prämenstruellen Schüben und Lokalisation perimandibulär/am Kinn.

Therapie-Algorithmus (gemäss europäischer S3-Leitlinie 2024 sowie Schweizer Praxis-Empfehlungen mit Mitwirkung von LUKS-Chefärztin Feldmeyer):

Leichte komedonale Akne: Topische Retinoide als Monotherapie – Adapalen 0.1 %/0.3 % (3. Generation, gut verträglich, Erstlinie), Tretinoin 0.025–0.05 %, oder Trifaroten 0.005 % (Aklief®, 4. Generation, von Swissmedic am 16.12.2020 zugelassen für mittelschwere Akne vulgaris im Gesicht und/oder Rumpf bei Patienten ab 12 Jahren, wenn mehr als die Hälfte der Oberfläche betroffen ist; bindet selektiv an Retinsäure-Rezeptor γ; auch in der Stammakne wirksam und reduziert das Risiko atropher Narben). Alternative bei Retinoid-Unverträglichkeit: Azelainsäure 15–20 % oder Benzoylperoxid 2.5–5 %.

Mittelschwere papulopustulöse Akne: Hier ist die topische Fixkombination der Standard. Die europäische S3-Leitlinie 2024 spricht eine starke Empfehlung für die Fixkombinationen Adapalen + Benzoylperoxid (z.B. Epiduo®, Epiduo® Forte) oder Clindamycin + Benzoylperoxid aus; die früher häufig genutzte Fixkombination Clindamycin + Tretinoin wurde auf einen mittleren Empfehlungsgrad herabgestuft. BPO ist dabei der zentrale Partner – es reduziert das Resistenzrisiko bei Antibiotika-Komponenten und ist ein wirksamer antimikrobieller Wirkstoff. Wichtig in der Apothekenberatung: BPO bleicht Textilien, daher abends auftragen und morgens gut abwaschen, helle Bettwäsche/T-Shirts wählen.

Schwere Akne: Systemische Therapie. Erste Wahl bei mittelschweren bis schweren entzündlichen Formen: orales Doxycyclin (in Kombination mit topischem BPO oder Adapalen + BPO, nicht mit topischem Antibiotikum allein, um Resistenzen zu vermeiden), für maximal 3 Monate. Bei schwerer knotiger/konglobater Akne, Versagen oder Vernarbungstendenz: Isotretinoin oral (Schweizer Markennamen: Roaccutan®, Isotretinoin-Mepha®, Curacné® u.a.) – seit 1982 Goldstandard. Schweizer Compendium-Standard für Patienten >12 J.: initial 0.5 mg/kg/Tag in 1–2 Gaben, Erhaltungsdosis 0.5–1.0 (max. 2) mg/kg/Tag, Therapiedauer 16–24 Wochen, kumulative Zieldosis 120 mg/kg; eventueller zweiter Zyklus frühestens 8 Wochen nach Therapieende. Cave: Isotretinoin ist streng teratogen. Im Rahmen des Swissmedic-Schwangerschafts-Präventionsprogramms gilt für gebärfähige Frauen: zwei Verhütungsmethoden ab einem Monat vor bis mindestens einen Monat nach Therapieende, monatliche Schwangerschaftstests, Aufklärung mit unterschriftenpflichtigem Patienten-Formular, monatliche Verschreibungspflicht. Apotheker und Apothekerinnen in der Schweiz sind gehalten, die Abgabe von Isotretinoin nur gegen monatliches Rezept und mit den Schwangerschafts-Präventions-Dokumenten durchzuführen.

Hormonelle Therapieoptionen bei Frauen: Kombinierte orale Kontrazeptiva mit antiandrogener Komponente (Ethinylestradiol + Cyproteronacetat oder Chlormadinonacetat oder Dienogest oder Drospirenon); off-label Spironolacton 50–200 mg/Tag bei Acne tarda.

Clascoteron (Winlevi®), ein topischer Androgenrezeptor-Antagonist und damit der erste hormonell wirksame topische Wirkstoff bei Akne seit Jahrzehnten, ist seit 2024 in den USA zugelassen, in der EU im Zulassungsverfahren – in der Schweiz besteht zum Stand 2026 kein Zulassungsgesuch.

Apothekenrolle bei Akne. Häufigste Aufgaben: (a) OTC-Reinigung/leichte Topika für komedonale Formen mit BPO-Gehalten 2.5–5 %; (b) Adhärenz-Coaching bei verordneten Topika (typische Ursache des Therapieabbruchs sind initiale Hautreizungen in den ersten 2–4 Wochen, die mit reduzierter Anwendungsfrequenz und konsequenter Pflege/Sonnenschutz aufgefangen werden können); (c) Begleitung von Isotretinoin-Patienten mit Lippenpflege, Augentropfen, Sonnenschutz, regelmässiger Erinnerung an den Schwangerschafts-Präventionsplan und Aufmerksamkeit für depressive Symptome; (d) Triage zur Dermatologie bei nodulärer Akne, Vernarbung, schwerer Acne tarda mit hormonellem Bezug, therapierefraktären Verläufen, oder bei psychischer Beeinträchtigung der Patienten.

Rosacea: S2k-Leitlinie 2022 und die SGDV-mitautorisierte Therapiekaskade

Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesichtshaut bei Erwachsenen, typischerweise zentrofazial lokalisiert (Wangen, Nase, Stirn, Kinn). Sie wird häufig fehldiagnostiziert – als Akne, als Sonnenbrand, als seborrhoische Dermatitis – und gehört zu den häufigsten Beratungsanlässen bei Erwachsenen in der Schweizer Offizin. Die aktualisierte S2k-Leitlinie der DDG, BVDD, DOG, GD und SGDV (2022; AWMF-Register-Nr. 013-065) ist die Schweizer Referenz; die SGDV ist Mitautor.

Subtypen / Phänotypen (heute mehrheitlich nicht mehr als Subtypen, sondern als gleichzeitig auftretende Phänotypen verstanden):

  • Erythematöse Rosacea: persistierendes zentrofaziales Erythem mit oder ohne Teleangiektasien.
  • Papulopustulöse Rosacea: entzündliche Papeln und Pusteln, häufig zusätzlich zum Erythem.
  • Phymatöse Rosacea: bindegewebige Hyperplasien, häufigste Lokalisation Nase (Rhinophym).
  • Okuläre Rosacea: Blepharitis, Konjunktivitis, Keratitis – oft unabhängig von der Hautbeteiligung.

Triggerfaktoren: UV-Strahlung, Hitze, scharfes Essen, Alkohol, Stress, bestimmte Kosmetika. Die Trigger-Identifikation und -Vermeidung ist Teil jeder seriösen Beratung.

Therapie-Algorithmus (S2k-Leitlinie 2022):

Leichte bis mittelschwere papulopustulöse Rosacea – topische Erstlinie (100 % Konsens der Experten): Metronidazol 0.75 %/1 % (Creme oder Gel), Azelainsäure 15 % Gel, oder Ivermectin 1 % Creme (Soolantra®) – in der Schweiz von Swissmedic für Erwachsene (ab 18 J.) zur Behandlung entzündlicher Läsionen bei mittelschwerer bis schwerer papulopustulöser Rosacea zugelassen, 1×/Tag erbsengrosse Menge auf Stirn, Kinn, Nase und beide Wangen über 3 Monate. Ivermectin zielt antiparasitär auf Demodex-Milben (bei Rosacea bis zu sechsfach vermehrt) und wirkt zusätzlich entzündungshemmend.

Persistierendes Erythem (Rosacea erythematosa): Brimonidin 0.33 % Gel (Mirvaso®) 1×/Tag morgens; Wirkeintritt nach 30 Min., Maximum 3–6 h, Wirkdauer 8–10 h. Cave: Bei 9 % der Patienten Flushing-Verschlechterung, bei 6.5 % Erythem-Verschlechterung – Patienten vorab darüber aufklären. Alternative: Oxymetazolin 1 % Creme (off-label-Anwendung in der Schweiz möglich, in den USA für Rosacea zugelassen).

Schwere/therapieresistente papulopustulöse Rosacea: niedrig dosiertes Doxycyclin 40 mg/Tag (modified-release) – die subantibiotische Dosierung wirkt antientzündlich ohne nennenswerten Selektionsdruck auf bakterielle Resistenzen. Alternative: niedrig dosiertes Isotretinoin 0.1–0.3 mg/kg KG/Tag (off-label in der Schweiz).

Phymatöse Rosacea: chirurgische, dermabrasive oder Laserbehandlung in dermatologischer Hand.

Okuläre Rosacea: Lidrandhygiene, ggf. Ciclosporin-A-Augentropfen 0.05 %, kurzzyklisches Azithromycin (off-label), topisches Ivermectin oder Metronidazol periokulär (Letzteres maximal 4–6 Wochen wegen periokulärer Neurotoxizität).

Apothekenrolle bei Rosacea. Schwerpunkte: (a) Sonnenschutz mit hohem LSF (≥30, idealerweise 50+) als Basisstrategie; (b) Pflege mit milden, parfümfreien Reinigungsprodukten und Lipid-armen Cremes (zu fette Cremes verstärken die Pustelbildung); (c) Trigger-Identifikation; (d) Triage zur Dermatologie für die Verordnung von topischem Metronidazol/Azelainsäure/Ivermectin; (e) Aufklärung: Rosacea ist keine Akne und reagiert oft auf andere Therapien, klassische OTC-Akne-Produkte können sie verschlimmern. Bei okulärer Beteiligung (Brennen, Sandkorn-Gefühl, Lidrandschwellung): Triage zur Augenärztin und Dermatologin gemeinsam.

Dermatomykosen: Tinea pedis, Onychomykose, Pityriasis versicolor

Dermatomykosen sind eine der häufigsten Eintrittsdiagnosen in der Schweizer Apotheke. Drei klinisch relevante Gruppen sind zu unterscheiden: Dermatophytosen (Tinea corporis, Tinea pedis, Tinea cruris, Tinea capitis, Onychomykose), Hefeinfektionen (Candida intertriginosa, Soor) und Pityriasis versicolor (durch Malassezia furfur). Die zwei häufigsten Beratungsanlässe sind Tinea pedis und Onychomykose.

Tinea pedis ist epidemiologisch besonders relevant, weil sie als unbehandelte Eintrittspforte ein erhöhtes Erysipelrisiko vermittelt. Tinea pedis – insbesondere die interdigitale Form – ist ein in zahlreichen Studien etablierter unabhängiger Risikofaktor für das Erysipel der Beine: Die Original-Fall-Kontroll-Studie von Dupuy und Mitarbeitern (BMJ 1999) zeigte eine starke Assoziation des Toe-web-Intertrigos mit einer Odds Ratio von 13.9; nachfolgende Studien berichten Odds Ratios je nach Region, Studiendesign und Form (interdigital vs. plantar) im Bereich von etwa 2 bis 14 – ein klinisch wichtiges Argument für die konsequente Behandlung, gerade bei älteren und diabetischen Patienten sowie bei Rezidiv-Erysipelen.

Therapie-Algorithmus:

Interdigitale und nicht-hyperkeratotische Tinea pedis (Mokassin-Typ leicht): topisches Antimykotikum für 2–4 Wochen. Optionen: Terbinafin 1 % Creme/Spray/Gel (1×/Tag, kürzeste Therapiedauer durch Depot-Effekt im Stratum corneum), Bifonazol 1 % Creme (1×/Tag), Clotrimazol 1 % Creme (2×/Tag), Miconazol, Ciclopirox. In der Schweiz sind die meisten topischen Antimykotika OTC erhältlich – eine klare Indikation für die Apothekenberatung.

Hyperkeratotische plantare Tinea pedis (Mokassin-Typ ausgeprägt): systemische Therapie mit Terbinafin 250 mg/Tag oral für 2 Wochen (in der Schweiz verschreibungspflichtig). Alternative: Itraconazol 200 mg/Tag oral für 4 Wochen.

Onychomykose (Tinea unguium): Hier ist die Diagnose ärztlich, idealerweise mit mykologischer Erregersicherung (KOH-Nativpräparat, Kultur, ggf. PCR). Die Therapieintensität richtet sich nach Befall der Nagelmatrix:

  • Distale-laterale Form ohne Matrix-Beteiligung, weniger als 50 % der Nagelfläche: topisch mit amorolfin-haltigem Nagellack 5 % (Loceryl® bzw. Generika Amorolfin-Mepha, Amorolfin-Leman) 1–2×/Woche (Compendium-Standardanwendung), Therapiedauer 6 Monate Hand-, 9–12 Monate Fussnägel; oder ciclopirox-haltigem Nagellack (täglich). Atraumatische Nagelabrasion mit 40 % Harnstoff-Salbe als wichtiger erster Schritt. Loceryl® ist in der Schweiz Liste B mit erhöhtem Selbstbehalt (40 %) auf der Spezialitätenliste.
  • Matrix-Beteiligung oder Befall > 50 % der Nagelfläche: orale Systemtherapie, in der Regel Terbinafin 250 mg/Tag für 6 Wochen (Fingernägel) bzw. 12 Wochen (Zehennägel); Itraconazol-Pulstherapie 2×400 mg/Tag für 1 Woche/Monat über 2–3 Pulse möglich. Vor Beginn: Leberenzym-Kontrolle.

Pityriasis versicolor: Topisches Ketoconazol-Shampoo (2 %), Selendisulfid-Shampoo, oder Ciclopirox-haltige Präparate als Erstlinie über 2–4 Wochen. Bei Rezidiv oder ausgedehntem Befall systemisches Itraconazol 200 mg/Tag für 1 Woche. Wichtig in der Beratung: Die hellen Flecken (hypopigmentierte Variante) verschwinden auch nach erfolgreicher Eradikation oft erst nach Wochen bis Monaten, wenn die Haut wieder gleichmässig gebräunt ist – sonst Eindruck eines Therapieversagens.

Candida-intertriginosa (Leistenregion, Submammärbereich, Bauchfalten): Topisches Antimykotikum mit niedrigpotenten Steroiden für kurzdauernde antientzündliche Wirkung (z.B. Miconazol + Hydrocortison), Trockenhalten, Pflege.

Apothekenrolle bei Dermatomykosen. Schwerpunkte: (a) korrekte Indikationsstellung – nicht jeder Hautausschlag am Fuss ist eine Mykose; Differenzialdiagnosen sind Erythrasma (rot-braune Flecken, Wood-Licht koralle, mit topischen Antibiotika behandelbar), dyshidrosiformes Ekzem, Psoriasis pustulosa, plantare Hyperkeratose; (b) Beratung zur konsequenten Anwendung über die volle Therapiedauer (häufige Adhärenz-Lücke bei symptomatischer Besserung nach 1 Woche); (c) Hygienemassnahmen (Socken bei 60° waschen, Schuhe desinfizieren oder rotieren, Familienscreening); (d) Triage zur Hausärztin oder Dermatologin: Onychomykose mit Matrix-Befall, hyperkeratotische Tinea pedis, ausgedehnte Tinea corporis, Tinea capitis bei Kindern (immer ärztlich), Diabetiker mit jeder Form von Fussmykose, immunsupprimierten Patienten.

Psoriasis: Topische Fixkombinationen und systemische Optionen

Psoriasis vulgaris hat in der Schweiz eine Prävalenz von rund 2–3 Prozent. Sie wird häufig im jungen Erwachsenenalter erstmanifest und zeigt eine genetische Komponente (HLA-Cw6). Die klinische Klassifikation umfasst die häufige Plaque-Psoriasis (90 %), die Psoriasis guttata (oft post-Streptokokken-Tonsillitis), die Psoriasis pustulosa (lokalisiert oder generalisiert), die Psoriasis-Arthritis (10–30 % der Hautbetroffenen), und die Psoriasis inversa (intertriginös).

Therapie-Algorithmus (für die Schweiz adaptiert nach europäischen und deutschen Leitlinien):

Leichte Psoriasis (Body Surface Area BSA < 10 %, kein psychosozialer/funktioneller Druck): topische Therapie. Erstlinie: Fixkombination Calcipotriol + Betamethasondipropionat (in der Schweiz als Daivobet® Salbe/Gel, Enstilar® Sprühschaum, sowie Wynzora® Creme und Generika erhältlich – Compendium-Standard 50 µg Calcipotriol + 0.5 mg Betamethasondipropionat pro g, ab 18 J., max. 15 g/Tag, max. 100 g/Woche, max. 30 % der Körperoberfläche, Schub-Therapie 4 Wo., danach proaktive Therapie 2×/Woche); Vitamin-D-Analoga als Monotherapie (Calcipotriol, Calcitriol, Tacalcitol); topische Glucocorticoide Klasse III–IV; Salicylsäure 5–10 % zur Keratolyse vor antientzündlicher Therapie; Dithranol (Cignolin) als bewährte, aber zeitaufwendige Klassiker-Option.

Mittelschwere bis schwere Psoriasis (BSA ≥ 10 % oder PASI ≥ 10 oder DLQI ≥ 10): systemische Therapie. Klassische Substanzen (in der Schweiz seit Jahrzehnten verfügbar): Methotrexat 7.5–25 mg/Woche, Ciclosporin (Sandimmun® Neoral®, ab 16 J. für schwere Psoriasis 2.5–5 mg/kg/Tag), Acitretin (Neotigason®), Fumarsäureester (Fumaderm®). Biologika und niedermolekulare Substanzen, in der Schweiz für die Plaque-Psoriasis zugelassen: TNF-α-Inhibitoren (Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Certolizumab), IL-17-Inhibitoren (Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab, Bimekizumab/Bimzelx®), IL-23-Inhibitoren (Guselkumab, Risankizumab, Tildrakizumab), IL-12/23-Inhibitor (Ustekinumab), PDE-4-Inhibitor Apremilast (Otezla®) oral (in CH zugelassen für mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis nach Versagen einer anderen systemischen Therapie und für aktive Psoriasis-Arthritis), TYK2-selektiver JAK-Inhibitor Deucravacitinib (Sotyktu®) oral.

Tapinarof (Vtama®, AhR-Modulator, in den USA für Psoriasis seit 2022 und für AD seit 2024 zugelassen) und topisches Roflumilast (Zoryve®, PDE-4-Inhibitor, in den USA für Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren, seborrhoische Dermatitis ab 9 Jahren und AD ab 6 Jahren zugelassen) sind in der Schweiz zum Stand Mai 2026 nicht zugelassen. Wichtig zur Abgrenzung: Das orale Roflumilast (Daxas®) ist seit 2011 von Swissmedic für schwere COPD zugelassen – das ist eine andere Darreichungsform und Indikation.

Apothekenrolle bei Psoriasis. Schwerpunkte: (a) Pflege der atopisch oft mitbetroffenen Haut mit harnstoffhaltigen oder fettreichen Emollienzien; (b) Adhärenz-Coaching bei der Fixkombination Calcipotriol + Betamethasondipropionat (1×/Tag, max. 100 g/Woche, Schub-Therapie 4–8 Wochen, danach proaktive Therapie 2×/Woche); (c) Aufmerksamkeit für die Komorbiditäten (Psoriasis-Arthritis – frühe Triage zur Rheumatologie/Dermatologie wichtig; metabolisches Syndrom, kardiovaskuläre Erkrankungen, Depression – Hausärztin einbinden); (d) Begleitung von Biologika-Patienten (Injektionstechnik, Infektionsschutz, regelmässige Tuberkulose-Screening-Kontrollen).

Aktinische Keratosen, Hautkrebs und die ABCDE-Regel als Apotheken-Standard

Aktinische Keratosen (AK) sind UV-induzierte intraepitheliale Carcinomata in situ (Squamous Cell Carcinoma in situ vom AK-Typ), die in eine invasive Form übergehen können. Die Progressionsrate einer einzelnen aktinischen Keratose zu einem invasiven Plattenepithelkarzinom variiert in der medizinischen Fachliteratur stark – die publizierten Schätzungen reichen von 0.1 % bis 10 % pro Einzelläsion über mehrere Jahre; bei Vorliegen von > 10 AK oder einer Feldkanzerisierung wird das Gesamtrisiko, in 10 Jahren ein invasives Plattenepithelkarzinom zu entwickeln, mit etwa 6–10 % beziffert (Hommel 2016/2017). Sie sind in der Schweiz wegen der hohen UV-Exposition, des alpinen Freizeitverhaltens und der demographischen Alterung besonders häufig. Klinisch erscheinen sie als raue, schuppige, oft fühl- als sehbare Hautläsionen an chronisch lichtexponierten Arealen (Glatze, Stirn, Schläfen, Wangen, Ohren, Lippen, Handrücken, Unterarme, Unterschenkel bei Frauen). Die Klassifikation nach Olsen (Grade I–III) ist Standard – wird in der aktualisierten Leitlinie aber zunehmend kritisch diskutiert, da sie keine prognostischen Informationen über den Übergang in ein invasives PEK liefert.

Therapie-Optionen (S3-Leitlinie «Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut», aktualisiert 2023):

Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff (–196 °C): erste Wahl bei einzelnen Läsionen; rasch durchführbar, kosteneffektiv, geringe Patienten-Belastung. Heilung in 60–80 % der einzelnen Läsionen. In der Schweiz dermatologische und hausärztliche Praxisleistung.

Topische Feldtherapie bei multiplen Läsionen oder Feldkanzerisierung (mehrere AK auf demselben sonnengeschädigten Hautareal):

  • Tirbanibulin 1 % Salbe (Klisyri®) – seit 2022 von Swissmedic zugelassen für Feldtherapie nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher AK (Olsen-Grad I) im Gesicht oder auf der Kopfhaut bei Erwachsenen. Behandlungsschema: nur fünf aufeinanderfolgende Tage 1×/Tag, Behandlungsareal bis 25 cm² (in der EU/CH; in den USA seit Juni 2024 erweitert auf 100 cm²). Erfolgsbeurteilung nach 8 Wochen. Nebenwirkungen: lokale Hautreaktionen (Erythem, Schuppung, Krustenbildung), in der Regel mild. Mechanismus: Mikrotubuli-Inhibitor mit Src-Tyrosinkinase-Modulation; Apoptose-induzierend. Prix Galien Suisse Kategorie «Cancer» 2025.
  • 5-Fluorouracil 4 % Creme (Tolak® 40 mg/g): Therapiedauer 4 Wochen, 1×/Tag; bessere lokale Verträglichkeit als 5-FU 5 % Creme. 5-FU 5 % Creme (Efudix®): 2×/Tag über 2–4 Wochen, bis das Erosionsstadium erreicht ist; ausgeprägte lokale Entzündungsreaktion ist therapieintegral und Zeichen der Wirkung. Heilungsraten in randomisierter Studie (Jansen et al. NEJM 2019): 5-FU höchste Effektivität bei multiplen AK. Auch zugelassen für oberflächliche Basalzellkarzinome (off-label-Verwendung histologisch gesichert).
  • Imiquimod 5 % Creme (Aldara®, in der Schweiz Compendium 80675 zugelassen): für nicht-hyperkeratotische, nicht-hypertrophe aktinische Keratosen im Gesicht/Kopfhaut bei Erwachsenen, 3×/Woche während 16 Wochen, Einwirkzeit ca. 8 h. Toll-like-Rezeptor-Agonist, immunmodulatorisch. Ausgeprägte lokale Entzündung. Ebenfalls zugelassen für äusserliche spitze Kondylome und multiple oberflächliche Basalzellkarzinome (< 2 cm) an Rumpf, Halsregion und Extremitäten.
  • Diclofenac 3 % in Hyaluronsäure-Gel (Solaraze®): längere Behandlungsdauer (60–90 Tage 2×/Tag), günstiges Nebenwirkungsprofil, niedrigere Heilungsraten als 5-FU.
  • Photodynamische Therapie (PDT) mit Aminolaevulinsäure (ALA) oder Methyl-Aminolaevulinat (MAL), in dermatologischer Hand. Sehr gut bei flächigem Befall und kosmetisch sensitiven Lokalisationen.
  • Ingenolmebutat (Picato®): 2020 in der Schweiz vom Markt genommen wegen Verdachts auf erhöhtes Tumorinitiations-Risiko bei der Anwendung.

Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) und Basalzellkarzinom (Basaliom): ärztliche Diagnose und Therapie. Therapieoptionen: Exzision (Standard), Mohs-Chirurgie (bei kosmetisch heiklen Lokalisationen wie Gesicht, periokulär, perinasal), Curretage, Strahlentherapie, topische Therapie bei superfiziellen Basaliomen (Imiquimod, 5-FU), in der fortgeschrittenen/metastasierten Situation Hedgehog-Inhibitoren oral – Vismodegib (Erivedge®) 150 mg/Tag und Sonidegib (Odomzo®) 200 mg/Tag, in der Schweiz von Swissmedic für fortgeschrittenes Basalzellkarzinom zugelassen, wenn Chirurgie oder Strahlentherapie nicht möglich ist (Erwachsene; Spezialitätenliste mit Limitatio, vorgängige Kostengutsprache) bzw. Immuncheckpoint-Inhibitor Cemiplimab (Libtayo®) bei kutanem fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom und bei lokal fortgeschrittenem/metastasiertem Basalzellkarzinom nach Versagen oder Unverträglichkeit eines Hedgehog-Inhibitors.

Malignes Melanom: ABCDE-Regel als Apotheken-Standard. Jede Apothekerin und Apothekenfachperson in der Schweiz sollte die ABCDE-Regel sicher anwenden können – als niederschwelliges Triage-Instrument: Asymmetrie, Begrenzung (unregelmässig, gezackt), Color (mehrere Farben, dunkel-schwarz, rot, blau-grau, weiss), Durchmesser (> 6 mm, aber auch kleinere können maligne sein), Evolution (Veränderung in Form, Farbe, Grösse, neuer Juckreiz, Bluten). Wichtig: Der häufigste Hinweis durch die Patienten ist das «hässliche Entlein» – der Naevus, der anders aussieht als alle anderen.

Apothekenrolle bei AK und Hautkrebsfrüherkennung. Schwerpunkte: (a) Sonnenschutz-Beratung – ausreichende Menge (2 mg/cm² entspricht für den ganzen Körper eines Erwachsenen ca. 30 ml = ein Schnapsglas), Wiederholung alle 2 Stunden, nach Schwimmen oder Schwitzen erneut; (b) Suva-Empfehlungen für Outdoor-Arbeitende; (c) ABCDE-Triage bei vorgezeigten Hautveränderungen; (d) Frühzeitige Sensibilisierung von Hochrisiko-Patienten (helle Hauttypen I–II, multiple Naevi, familiäre Vorgeschichte, Immunsuppression, Outdoor-Beruf, frühere Hautkrebs-Anamnese); (e) gegen-hautkrebs.ch als Schweizer Patienten-Ressource. Triage zur Dermatologie: jede Hautläsion mit ABCDE-Auffälligkeit, nicht heilende Wunden > 4 Wochen, neue knotige oder hyperkeratotische Läsionen bei älteren Patienten, Veränderung eines bestehenden Naevus, unklare schuppende Läsionen bei sonnenexponierter Haut.

Was in der Apotheke häufig gefragt wird – mit konkreten Triage-Beispielen

Vier typische Beratungssituationen in der Schweizer Offizin – mit konkreten Triage-Entscheidungen:

1. Junge Mutter mit 4-jährigem Kind und chronischem Ekzem

Die Mutter, ca. 30 Jahre, kommt mit ihrer 4-jährigen Tochter, die seit Monaten ein chronisches Ekzem in den Ellenbeugen und Kniekehlen hat. Die Kinderärztin hat eine Klasse-III-Steroid-Creme verschrieben. Die Mutter ist verunsichert: «Ich will mein Kind nicht jeden Tag mit Cortison einschmieren.» — Open Question: «Was beschäftigt Sie an der Cortison-Behandlung am meisten?» Reflective Listening: «Sie wollen vor allem nicht, dass Ihre Tochter durch die Behandlung Schaden nimmt – das ist eine gute, verantwortungsvolle Sorge.» Fachliche Einordnung: Bei atopischer Dermatitis ist das Schub-Therapie-Modell etabliert: TKS in der Schubphase 1×/Tag für 7–14 Tage konsequent anwenden, dann ausschleichen – kein chronischer Tageinsatz. Klasse III ist altersadäquat für Stamm und Extremitäten beim 4-jährigen Kind. Für Gesicht und intertriginöse Bereiche wären Klasse I/II oder ein Calcineurin-Inhibitor (Tacrolimus 0.03 % ab 2 Jahren zugelassen) die richtige Wahl. Hautatrophie tritt bei sachgemässer Schub-Anwendung nicht auf. Praxistipp: Fingerlängen-Regel (eine Erbsen-Menge an Creme reicht für ein 2× Erwachsenen-Handflächen-Areal). Ausreichend Basispflege mit fettreichen Emollienzien zwischen den Schüben – mindestens 250 g/Monat beim Kleinkind. Triage zur Pädiatrie/Dermatologie, wenn schwerer Verlauf, Verdacht auf Eczema herpeticatum, Wachstums-/Schlafbeeinträchtigung.

2. 17-Jähriger mit moderater Akne und Therapiefrust

Ein 17-jähriger Patient kommt mit einer Verschreibung über Adapalen 0.1 %/BPO 2.5 % Fixkombination (Epiduo®). Er ist nach drei Wochen frustriert: «Es wird schlimmer, nicht besser. Meine Haut ist rot und brennt.» — Open Question: «Was war Ihr Plan, als Sie mit der Behandlung angefangen haben?» Affirmation: «Es ist eine wichtige Beobachtung, dass Ihre Haut reagiert – und Sie sind drangeblieben, das ist nicht selbstverständlich.» Fachliche Einordnung: Die initiale Verschlechterung («Akne-Aufflammen», typischerweise Woche 2–4 mit Reizung, Schälung, ggf. Pustelaufschub) ist ein bekannter, normaler Verlauf bei Retinoid-haltiger Therapie. Häufige Adhärenz-Bruchstelle. Praktische Strategie: Anwendungsfrequenz vorübergehend auf jeden zweiten Tag reduzieren; mit nicht-komedogener, beruhigender Pflege flankieren (z.B. Ceramid-haltiges Emolliens morgens, nach 30 Min. Sonnenschutz LSF 50+); BPO bleicht Textilien, daher nur abends auftragen; konsequente Lippen- und Augenrandpflege. Realistische Erwartungsvermittlung: Wirkungseintritt nach 6–8 Wochen, deutliche Reduktion nach 12 Wochen. Triage: Bei nodulärer Akne, Vernarbungstendenz, schwerer Acne tarda oder psychischer Beeinträchtigung Verweis zur Dermatologie für ggf. systemische Therapie (Doxycyclin, Isotretinoin) erwägen.

3. 55-jährige Frau mit anhaltender Gesichtsrötung

Eine 55-jährige Patientin kommt mit anhaltender zentrofazialer Rötung («Ich denke, ich habe Couperose. Mein Mann sagt, ich sehe immer alkoholisiert aus»), gelegentlichen Pusteln, Brennen beim Auftragen ihrer üblichen Pflegecreme. — Open Question: «Wann ist die Rötung am stärksten – und gibt es Situationen, in denen sie sich verbessert?» Reflective Listening: «Es belastet Sie nicht nur die Hauterscheinung, sondern auch das, was andere darin sehen – das ist ein bedeutsamer Aspekt.» Fachliche Einordnung: Wahrscheinliche Rosacea, gemischte Form (erythematös und papulopustulös). Trigger sind häufig: Hitze, scharfes Essen, Alkohol, UV-Strahlung, Stress, bestimmte Kosmetika. Schritte: (a) Empfehlung milder, parfümfreier Reinigung und nicht-komedogener, lipid-armer Pflege; (b) Sonnenschutz LSF 50+ als Basisstrategie; (c) Trigger-Tagebuch über zwei Wochen; (d) Triage zur Dermatologie für die Verordnung von topischem Metronidazol/Azelainsäure/Ivermectin; (e) Aufklärung: Rosacea ist keine Akne und reagiert oft auf andere Therapien, klassische OTC-Akne-Produkte können sie verschlimmern. Bei okulärer Beteiligung (Brennen, Sandkorn-Gefühl, Lidrandschwellung): Triage zur Augenärztin und Dermatologin gemeinsam.

4. 70-jähriger Bergführer mit «trockenen Stellen» an der Glatze

Ein 70-jähriger Pensionär, früher Bergführer im Berner Oberland, kommt für eine Routinepflege gegen Trockenheit. Er zeigt der Apothekerin nebenbei eine raue, leicht schuppende, 8 mm grosse, blass-rote Stelle auf der Glatze: «Das habe ich seit ein paar Monaten, fühlt sich rau an, manchmal blutet es, wenn ich daran kratze. Eine Schwester sagte, das sei Trockenheit.» — Open Question: «Hat sich die Stelle in der letzten Zeit verändert?» Patient: «Vielleicht ein bisschen grösser. Und es kommt immer wieder eine Kruste.» Triage-Entscheidung: Diese Konstellation ist eine klare Indikation zur zeitnahen dermatologischen Sprechstunde (Verdacht auf aktinische Keratose, mögliche Differentialdiagnose Plattenepithelkarzinom oder Basalzellkarzinom). Der Patient hat alle Risikofaktoren: hohe lebenslange UV-Exposition (Bergführer), Glatzenlokalisation, Alter, Verlauf > 4 Wochen, Blutungsneigung. Praktische Kommunikation: «Es ist sehr wahrscheinlich nicht gefährlich, aber wir sollten sicher gehen. So eine raue Stelle, die sich nicht von selbst zurückbildet, soll ein Dermatologe einmal anschauen – die kann in fünf Minuten Klarheit schaffen, mit einer kleinen Probe falls nötig. Möchten Sie, dass ich Ihnen helfe, einen Termin zu vereinbaren?» Kontext für die Patienten-Aufklärung: Aktinische Keratosen können heute mit einer 5-Tage-Therapie (Tirbanibulin/Klisyri®, von Swissmedic seit 2022 zugelassen) behandelt werden – die Hemmschwelle zur Diagnostik ist medikamentös tief.

Schweizer Versorgungs- und Tarif-Realität: OTC, Verschreibung, Spezialitätenliste

Die Schweizer Versorgungslandschaft in der Dermatologie ist von einer klaren Aufgabenteilung geprägt – mit der Apotheke an der niederschwelligen Schnittstelle.

OTC-Bereich (Selbstmedikation und Apotheker-Verschreibung gemäss LOA V): Sonnenschutz, Emollienzien, Basispflege; Hydrocortison 0.5 % OTC; topische Antimykotika (Bifonazol, Clotrimazol, Terbinafin Creme/Spray); topische Antiseptika (Octenidin, Chlorhexidin, Povidon-Iod); Salicylsäure, Schieferöl, milde keratolytische Präparate; bestimmte rezeptfrei abgegebene Topika in Apotheker-Kompetenz. Hier liegt die Hauptberatungsverantwortung der Offizin.

Verschreibungspflichtiger Bereich (Liste B, in der Regel über Hausärzte oder Dermatologen): Topische Glucocorticoide ab Klasse II; topische Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus); topische Antibiotika und ihre Fixkombinationen (Clindamycin + BPO, Adapalen + BPO); topisches Ivermectin/Metronidazol/Azelainsäure-Gel verschreibungspflichtige Stärke; Brimonidin-Gel; Tirbanibulin-Salbe; 5-FU-Cremes; Imiquimod; orale Antimykotika; orales Doxycyclin; Methotrexat; Acitretin; Ciclosporin; Isotretinoin (mit Swissmedic-Schwangerschafts-Präventionsprogramm); Apremilast oral; Deucravacitinib oral; JAK-Inhibitoren oral.

Spezialitätenlisten-Status mit Limitatio (Spezialistenverordnung) für die meisten modernen Biologika und JAK-Inhibitoren: Dupilumab, Tralokinumab, Baricitinib, Upadacitinib, Abrocitinib bei AD; alle TNF-α-, IL-17-, IL-23-Inhibitoren bei Psoriasis. Diese Substanzen werden in der Regel über die dermatologische Klinik oder Praxis verordnet, mit dokumentierter mittelschwerer bis schwerer Erkrankung und ggf. nicht ausreichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie. Die Apotheke hat hier eine wichtige Begleitfunktion: Lagerung (häufig Kühlkette), Injektionsschulung, Adhärenz-Monitoring, Adressierung von Nebenwirkungen (Konjunktivitis bei Dupilumab, Hautrötungen, Infekte unter JAK-Inhibitoren).

Hautkrebsfrüherkennung und Apotheken-Pilotprojekte: Die SGDV führt jährlich gemeinsam mit der Krebsliga eine nationale Hautkrebs-Sensibilisierungskampagne durch (gegen-hautkrebs.ch). Einzelne Schweizer Apothekenketten betreiben in Zusammenarbeit mit Dermatologen Pilotprojekte zur niedrigschwelligen Hautkrebs-Triage (z.B. Tele-Dermatologie-Konsultation aus der Apotheke). Die KVG-Revision vom 21.3.2025 brachte für Apotheken neu OKP-pflichtige Leistungen in den Bereichen Impfen, Medikationsanalyse und HPV/Darmkrebs-Screening – Hautkrebs-Screening ist nicht Teil dieser Revision. Die Suva publiziert Empfehlungen für Outdoor-Arbeitende: Sonnencreme mit LSF ≥ 30 in ausreichender Menge, Hut, Schutzkleidung, Pausen im Schatten.

Sicherheit, Adhärenz und Apotheken-Praxis bei Topika und Systemtherapien

Topische Glucocorticoide (TKS): Die wichtigsten Sicherheitsregeln in der Apothekenberatung: (a) Korrekte Klasse für Lokalisation – Klasse I/II für Gesicht und Hautfalten, Klasse III–IV für Körper und Extremitäten. (b) Schub-Therapie max. 2–4 Wochen täglich, dann Auslassversuch oder proaktive Therapie 2×/Woche. (c) Dauer-Anwendung > 3 Monate vermeiden (Hautatrophie-Risiko, periorale Dermatitis bei Gesichtsanwendung, Tachyphylaxie). (d) Säuglinge und Kleinkinder: nur niedrigpotente TKS, kurze Therapiezyklen, kleine Flächen.

Topische Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus): initial brennendes Gefühl in den ersten 5–7 Tagen (häufiger Adhärenz-Brecher – vorab aufklären). Black-Box-Warnung der FDA für Tumorrisiko bei Langzeitanwendung: Realweltdaten in den letzten 20 Jahren haben kein erhöhtes Lymphomrisiko bestätigt; die Anwendung ist sicher, Sonnenschutz aber empfohlen.

Topische Retinoide: ausgeprägte Lichtempfindlichkeit – obligatorischer Sonnenschutz LSF ≥ 30, idealerweise 50+. Schwangerschaft: orales Isotretinoin streng kontraindiziert (Teratogenität); topische Retinoide in der Schwangerschaft ebenfalls kontraindiziert oder mit Vorsicht (Schweizer Praxis: Absetzen während Schwangerschaft).

Isotretinoin (oral): strenge Schwangerschafts-Prävention (zwei Verhütungsmethoden, monatliche Schwangerschaftstests, ärztlich-rezeptliche Erneuerung jeden Monat). Häufige Nebenwirkungen: Cheilitis (Lippenpflege ist Teil der Therapie), Xerose, Augentrockenheit, Photosensibilität, Muskel-/Gelenkschmerzen, Transaminasen-Anstieg, Triglyzeride-Anstieg. Apothekenseitig: Sensibilität für depressive Stimmungsänderungen, die in seltenen Fällen unter Isotretinoin auftreten können – Patienten ermutigen, die ärztliche Praxis zu informieren.

Topische Antibiotika (Clindamycin, Erythromycin): nur in Kombination mit BPO, niemals als Monotherapie – Resistenzrisiko.

Brimonidin 0.33 % Gel: bei 9 % der Patienten Flushing-Verschlechterung, bei 6.5 % Erythem-Verschlechterung – vorab aufklären. Anwendung 1×/Tag morgens.

Tirbanibulin / 5-FU / Imiquimod (AK-Topika): lokale Entzündungsreaktion ist therapieintegral. Patienten können mit ausgeprägtem Erythem, Schuppung, Krustenbildung rechnen – das ist Zeichen der Wirkung. Aufklärung über das zu erwartende Bild verhindert Therapieabbruch.

Orales Terbinafin: Leberenzym-Kontrolle vor Beginn und bei Therapiedauer > 6 Wochen empfohlen. Sehr seltene Hepatotoxizität. Geschmacksstörungen in 3–8 % der Behandelten.

Dupilumab und andere Biologika: Häufige Nebenwirkungen: Konjunktivitis (Dupilumab 15–20 %), Injektionsstellenreaktionen, Herpes-Reaktivierung. Vor Therapiebeginn Tuberkulose-Screening, Hepatitis-B/C-Status. Lebendimpfstoffe während Biologika-Therapie kontraindiziert.

JAK-Inhibitoren oral: Black-Box-Warnung der FDA für kardiovaskuläre Ereignisse, Thrombosen, maligne Erkrankungen (insbesondere bei Patienten >65 J., Rauchern, kardiovaskulärer Vorgeschichte, Tumoranamnese). Regelmässige Laborkontrollen (Hämatologie, Lipide, Leberenzyme, CK).

Ausblick 2026/2027

Die Dermatologie ist 2026 in mehrere Richtungen in Bewegung, und die Schweizer Apotheke ist an mehreren dieser Bewegungen direkt beteiligt.

Erstens: Erweiterung des topischen Armamentariums. Topisches Ruxolitinib (Opzelura® 1.5 % Creme) ist seit 30.01.2025 in der Schweiz für die nicht-segmentale Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung zugelassen (Erwachsene und Jugendliche ab 12 J.) – der erste topische JAK-Inhibitor mit Schweizer Zulassung in dieser Indikation. Lebrikizumab (Ebglyss®) ist seit 30.08.2024 für AD ab 12 J. (≥40 kg) zugelassen. Delgocitinib (Anzupgo® 20 mg/g) ist seit 13.11.2024 für chronisches Handekzem zugelassen, mit Aufnahme in die Spezialitätenliste per 1.3.2025. Tapinarof (Vtama®) und topisches Roflumilast (Zoryve®) sind in den USA für Psoriasis (Tapinarof) bzw. Plaque-Psoriasis, AD und seborrhoische Dermatitis (Roflumilast) zugelassen, in der Schweiz zum Stand Mai 2026 noch nicht. Clascoteron (Winlevi®), der erste topische Androgenrezeptor-Antagonist gegen Akne, ist in den USA seit 2020 zugelassen und in der EU im Zulassungsverfahren – in der Schweiz besteht zum Stand 2026 noch kein Zulassungsgesuch. Diese Substanzen werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich kompetitiv zu den klassischen TKS und Retinoiden in die Schweizer Erstlinientherapie eintreten. Die Apotheke wird hier sowohl Erklärungsarbeit als auch Adhärenz-Coaching leisten.

Zweitens: Expandierende Biologika-Landschaft. Bei AD, Psoriasis und neuerdings auch chronisch-spontaner Urtikaria, Hidradenitis suppurativa und Prurigo nodularis kommen weitere Anti-IL-Antikörper und JAK-Inhibitoren in die Schweizer Versorgung. Die Apothekenrolle wird zunehmend von der akuten OTC-Beratung in die kontinuierliche Adhärenz- und Sicherheitsbegleitung verlagert. Die Limitatio-Vorgaben der Spezialitätenliste verlangen dokumentierte Verläufe – die Apotheke kann hier mit standardisierten Medikationsanalysen und Patienten-Schulungen einen klinischen Beitrag leisten, der ab 1.1.2027 dank KVG-Revision auch tarifär abgegolten wird.

Drittens: Hautkrebsfrüherkennung als Apotheken-Kompetenz. Die SGDV/Krebsliga-Kampagne gegen-hautkrebs.ch ist eine etablierte Schweizer Marke; einzelne Apothekenketten experimentieren mit Tele-Dermatologie-Triage und Hautcheck-Aktionen. Während die KVG-Revision 2025/2027 für Hautkrebs-Screening keine OKP-Leistung eingeführt hat (anders als für HPV- und Darmkrebs-Screening), positioniert sich die Schweizer Offizin perspektivisch als Triage-Schnittstelle für ein bevölkerungsweites Sekundärpräventions-Angebot. Die Kombination aus pharmazeutischer Kompetenz, niedriger Schwelle und Sichtbarkeit in der Bevölkerung ist hier ein strukturell starkes Argument.

Viertens: Schweizer alpine Realität als Beratungsanlass. Mit dem demografischen Altern wird die Frequenz aktinischer Keratosen, NMSC und Melanome weiter steigen. Die UV-Belastung in den Schweizer Bergen ist klinisch relevant: Schnee verstärkt die UV-Wirkung um bis zu 90 Prozent, in 2'000 m Höhe ist die UV-Belastung im Sommer ca. 20 Prozent höher als auf Meereshöhe. Die Apotheke ist der natürliche Ort für die laufende, individualisierte Sonnenschutz-Beratung – und für die jährliche Empfehlung der Hautselbstkontrolle nach der ABCDE-Regel.

Praxistool: Triage-Tabelle für den HV-Schalter

BeratungssituationMögliche DiagnoseSchritt 1 OTC / PflegeTriage zur Ärztin / zum Arzt
Chronisch trockene, juckende Haut Kind / ErwachsenerAtopische DermatitisEmollienzien mit Ceramiden/Glycerin/Harnstoff 5–10 %; mind. 250 g/MonatBei sichtbarem Ekzem, Schlaf-/Lebensqualitäts-Einschränkung, Superinfekt, Nichtansprechen auf Basistherapie
Pickel und Komedonen AdoleszentAkne comedonica/papulopustulosaBPO 2.5–5 % Gel, milde Reinigung, SonnenschutzMittelschwer–schwer, Vernarbung, psychische Belastung – für Adapalen+BPO Fixkombi oder systemische Therapie
Persistierende Rötung Wangen/Stirn, Pusteln ErwachseneRosaceaMildes Reinigen, lipid-arme Pflege, Sonnenschutz LSF 50+, Trigger-TagebuchFür topisches Metronidazol/Azelainsäure/Ivermectin; bei phymatöser oder okulärer Form sofort
Juckende Plaques mit silbriger Schuppung Stamm/StreckseitenPsoriasis vulgarisHarnstoffhaltige Emolliens, Salicylsäure 5–10 % zur KeratolyseFür Calcipotriol + Betamethason Fixkombi; bei BSA ≥ 10 % oder Gelenkbeteiligung sofort
Schuppende Mazeration zwischen ZehenTinea pedis interdigitalTerbinafin/Bifonazol/Clotrimazol Creme 2–4 Wo., Hygiene, Socken 60°Bei Diabetikern, hyperkeratotischer Form, Therapieversagen
Verfärbter, verdickter Nagel ≥ 1 ZeheOnychomykose(nichts OTC ohne Diagnose) – Mykologische Diagnose nötigImmer ärztliche Diagnose; Therapie topisch/systemisch je nach Matrix-Befall
Helle, fleckige Schuppung Stamm/Schultern SommerPityriasis versicolorKetoconazol 2 % Shampoo oder Selendisulfid 2–4 Wo.Bei Rezidiv oder ausgedehntem Befall für systemisches Itraconazol
Rote, juckende, scharf begrenzte Stelle nach neuem KontaktKontaktekzem (allergisch/irritativ)Trigger-Vermeidung, Hydrocortison 0.5 % OTC 5–7 TageBei chronischem Verlauf, ausgedehntem Befall – Allergietest erwägen
Plötzlich aufgetretene, juckende QuaddelnAkute UrtikariaNicht-sedierendes Antihistaminikum (z.B. Cetirizin, Loratadin, Bilastin)Akutes Quincke-Ödem mit Atemnot: sofort Notfall. Chronisch (>6 Wo.): Allergologin
Raue, schuppige Stelle Glatze/Ohren/Handrücken bei SeniorenAktinische Keratose – Verdacht(kein OTC ohne Diagnose)Zeitnahe Dermatologie. Therapie: Kryotherapie, Tirbanibulin, 5-FU, Imiquimod, PDT
Asymmetrische, mehrfarbige, wachsende HautläsionMelanom-Verdacht (ABCDE)Nichts. Patienten aktiv zur Dermatologie führenSofort. ABCDE-Triage ist Apotheken-Pflicht
Nicht heilende Wunde > 4 Wochen SeniorenNMSC-Verdacht (BCC/SCC)Nichts. Patienten zur Dermatologie führenZeitnahe Dermatologie, ggf. Biopsie

Fall-Vignette

Herr R., 68, pensionierter Postbote im Berner Oberland, kommt am Mittwochnachmittag in die Apotheke, um sich Pflegecreme für seine Glatze zu kaufen («so was Mildes wegen der Trockenheit»). Beim Bezahlen sagt er beiläufig: «Sagen Sie, da habe ich seit ein paar Monaten so eine raue Stelle – fühlt sich an wie Sandpapier. Schauen Sie mal.»

Er bückt sich leicht vor, neigt den Kopf. Die Apothekerin – sie hat den Fähigkeitsausweis FPH Anamnese in der Grundversorgung – tritt vor, lässt sich die Brille auf die Nase rutschen, schaltet die Beratungslampe ein. Auf dem leicht geröteten Kalottenfeld der Glatze, oberhalb der rechten Schläfe, ist eine etwa 8 mm grosse, blass-rötliche, raue, schuppige Stelle. Bei genauerer Inspektion: weitere zwei, drei kleinere ähnliche Stellen am rechten Ohr und an der rechten Schläfe. Die Haut um diese Stellen herum ist sonnengeschädigt: zahlreiche Lentigines, leicht gelblich, mit feinen Falten und Teleangiektasien.

Sie fragt – ruhig, ohne Beunruhigung in der Stimme: «Wie lange haben Sie diese Stellen schon? Tut etwas davon weh, juckt es, blutet es manchmal?»

Herr R. überlegt. «Drei, vier Monate vielleicht. Manchmal kommt eine Kruste. Letzte Woche, als ich mir den Hut aufgesetzt habe, blutete eine kurz. Nichts Wildes. Aber meine Frau sagt, ich soll es zeigen.»

Die Apothekerin nickt. Sie kennt diese Konstellation. Bei einem 68-jährigen, ehemals beruflich UV-exponierten Mann mit lichtgeschädigter Haut und multiplen rauen, schuppigen, persistierenden Läsionen auf der unbehaarten Kopfhaut ist die Verdachtsdiagnose klar: aktinische Keratosen, eventuell Feldkanzerisierung; die Möglichkeit eines invasiven Plattenepithelkarzinoms in einer der grösseren Läsionen muss ausgeschlossen werden.

Sie sagt: «Es ist sehr wahrscheinlich nicht gefährlich. Die Stellen sehen aus wie das, was wir aktinische Keratosen nennen – das sind Hautveränderungen, die durch jahrelange Sonneneinstrahlung entstehen. Sie sind sehr häufig in Ihrem Alter und in unserer Region, gerade wenn man viel im Freien gearbeitet oder gewandert ist. Sie sind in den meisten Fällen gut behandelbar – heute mit einer Salbe, die man fünf Tage lang einreibt, fertig.»

Sie pausiert. «Allerdings – und das ist der Grund, warum ich Sie bitten möchte, das einem Dermatologen zu zeigen – muss man bei einer Stelle, die manchmal blutet, ausschliessen, dass sich daraus etwas Bösartiges entwickelt hat. Das ist selten, aber wenn es passiert, ist es wichtig, es früh zu finden. Eine kleine Untersuchung mit der Lupe, eventuell eine winzige Hautprobe – das wäre ein zwanzigminütiger Termin.»

Herr R. nickt. «Soll ich denn zu meinem Hausarzt zuerst?»

«Das können Sie. Ihr Hausarzt kann eine erste Einschätzung machen. Bei diesen Befunden auf der Glatze ist aber die Dermatologie sehr direkt erreichbar – ich gebe Ihnen die Nummer der dermatologischen Sprechstunde am Spital, dort gibt es eine Triage-Hotline für genau solche Fragen. Ein Termin innerhalb der nächsten zwei Wochen ist hier angemessen, nicht heute, nicht nächsten Monat.»

Sie reicht ihm den Zettel mit der Nummer, fügt die ABCDE-Regel als Faltblatt der Krebsliga dazu («damit Sie an anderen Stellen Ihrer Haut auch selber schauen können, wenn Sie wollen – schicken Sie das auch Ihrer Frau, sie kann mitkucken»).

Kompakt

Schweizer Hautkrebsrealität: Melanom-Inzidenz seit 1983–87 verdoppelt (13 → 29/100'000); ca. 3'500 Melanom- und 25'000 NMSC-Fälle/Jahr; bei Männern höchste Inzidenz Europas; Schnee verstärkt UV um bis zu 90 %. ABCDE-Regel ist Apothekenstandard. Atopische Dermatitis: Stufentherapie mit Emollienzien, TKS, TCI; bei mittelschwerer/schwerer AD: Dupilumab (ab 6 Mt.), Tralokinumab (ab 18 J.), Lebrikizumab (Ebglyss®, ab 12 J., seit 30.08.2024), JAK-Inhibitoren oral (ab 18 J.) in CH zugelassen. Topisches Ruxolitinib (Opzelura®) seit 30.01.2025 in CH nur für nicht-segmentale Vitiligo zugelassen. Delgocitinib (Anzupgo®) seit 13.11.2024 für chronisches Handekzem. Akne: Europäische S3-Leitlinie 2024 empfiehlt Adapalen+BPO oder Clindamycin+BPO als Erstlinien-Fixkombi; Trifaroten (Aklief®, Swissmedic-Zulassung 16.12.2020) für mittelschwere Akne im Gesicht/Rumpf ab 12 J.; Isotretinoin (Roaccutan®) Goldstandard schwerer Akne: initial 0.5 mg/kg/Tag, kumulativ 120 mg/kg, mit Swissmedic-Schwangerschafts-Präventionsprogramm. Rosacea: S2k-Leitlinie 2022 mit SGDV; topische Erstlinie Metronidazol/Azelainsäure/Ivermectin (100 % Konsens); Brimonidin/Oxymetazolin für persistierende Erytheme; niedrig dosiertes Doxycyclin systemisch. Dermatomykosen: Tinea pedis OTC mit Terbinafin/Bifonazol/Clotrimazol; Onychomykose immer ärztlich; Tinea pedis ist klinisch relevanter Erysipel-Trigger – konsequente Therapie besonders bei Diabetikern. Aktinische Keratosen: Tirbanibulin (Klisyri®, Swissmedic-zugelassen seit 2022) als 5-Tage-Therapie für nicht-hyperkeratotische AK im Gesicht/Kopfhaut; Alternativen: 5-FU, Imiquimod, Diclofenac, PDT, Kryotherapie. Triage zur Dermatologie bei jeder persistierenden, rauen Hautläsion bei UV-exponierten Senioren.

Referenzen
  1. Bundesamt für Gesundheit BAG / Observatorium Schweizerisches Gesundheitswesen Obsan. Krebs: Inzidenz – Indikator MonAM. Bern: Obsan; 2026. (Altersstandardisierte Melanom-Inzidenz 1983–1987: 13/100'000 vs. 2018–2022: 29/100'000 Einwohner:innen, mehr als Verdopplung. Über alle Krebsarten ø 48'100 Neuerkrankungen/Jahr in der Schweiz.) Datenquelle: Stiftung NICER, kantonale Krebsregister.
  2. Krebsliga Schweiz. Krebs in der Schweiz: wichtige Zahlen. Bern: Krebsliga Schweiz; November 2025. (Schwarzer Hautkrebs/Melanom: rund 3'500 Neuerkrankungen pro Jahr, rund 300 Todesfälle/Jahr; vierthäufigste Krebsart in der Schweiz nach Brust-, Prostata-, Dickdarmkrebs.) Ergänzend: Krebsliga / SGDV. Melanom-Broschüre 2025.
  3. BAG, Krebsliga Schweiz, Suva, Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie SGDV. Schütze dich vor Hautkrebs – Gemeinsame Kampagne. Bern: BAG; 2026. Online: gegen-hautkrebs.ch. (Schweiz hat eine der höchsten Hautkrebsraten weltweit; rund 25'000 NMSC-Neuerkrankungen/Jahr geschätzt; Schnee verstärkt UV-Wirkung um bis zu 90 %; 40 % der Männer cremen sich bewusst nicht ein; ABCDE-Regel zur Selbstkontrolle.)
  4. Wollenberg A, Kinberger M, Arents B, Aszodi N, Avila Valle G, Barbarot S, et al. European guideline (EuroGuiDerm) on atopic eczema – Part I: systemic therapy, Part II: non-systemic treatments – Living Update. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2025. (Aktualisierte europäische Leitlinie zur AD; Stufentherapie mit Emollienzien, TKS, TCI, Phototherapie, Systemtherapie; Dupilumab und JAK-Inhibitoren als gleichwertige Optionen für mittelschwere bis schwere AD.) Ergänzend: Werfel T, Heratizadeh A, Aberer W, et al. S3-Leitlinie Atopische Dermatitis – Teil 2: Systemische Therapie. J Dtsch Dermatol Ges. 2024;22:307–320.
  5. Stillhard E. Schwere atopische Dermatitis – Aktuelles zur Systemtherapie. Dermatologie und Ästhetische Medizin (Rosenfluh) 2024;(2). (Schweizer Adaptation der AWMF-S3-Leitlinie; Übersicht zugelassener Substanzen: Dupilumab ab 6 Mt., Tralokinumab ab 18 J., Baricitinib/Upadacitinib/Abrocitinib ab 18 J. in CH; Lebrikizumab in CH noch nicht zugelassen; topisches Ruxolitinib in Studienphase; Delgocitinib für chronisches Handekzem zugelassen.)
  6. Reynolds RV, Yeung H, Cheng CE, et al. Guidelines of care for the management of acne vulgaris. J Am Acad Dermatol. 2024;90(5):1006.e1–1006.e30. Ergänzend: Eichenfield DZ, Sprague J, Eichenfield LF. Management of Acne Vulgaris: A Review. JAMA. 2021;326(20):2055–2067. Ergänzend: Karoglan A, Gollnick HPM. Akne. Hautarzt. 2021;72(9):815–827.
  7. Acne tarda: Vertieftes Krankheitsverständnis, neue Therapiekonzepte. Dtsch Arztebl 2025. Ergänzend: Schleicher S, et al. Trifarotene Reduces Risk for Atrophic Acne Scars: Results from A Phase 4 Controlled Study. Dermatol Ther (Heidelb). 2023;13(12):3085–3096. (Trifaroten 50 µg/g Creme; selektive Retinsäure-Rezeptor γ-Bindung; in der Schweiz seit 2020 zugelassen für entzündliche Akne im Gesicht und am Körper, auch wirksam auf Stammakne und Risikoreduktion atropher Narben.)
  8. Nast A, Dréno B, Bettoli V, Bukvic Mokos Z, Degitz K, Dressler C, et al. European evidence-based (S3) guideline for the treatment of acne – update 2024. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2024. (Starke Empfehlung für Fixkombination Adapalen+BPO oder Clindamycin+BPO als topische Erstlinie bei leichter bis mittelschwerer Akne; Herabstufung von Clindamycin+Tretinoin auf mittleren Empfehlungsgrad.) Schweizer Adaptation und Anwendung an Schweizer dermatologischen Kliniken (LUKS, Universitätsspitäler) durch Feldmeyer und Kollegen 2025.
  9. Clanner-Engelshofen BM, Bernhard D, Dargatz S, Flaig MJ, Gieler U, Kinberger M, et al. S2k guideline: Rosacea. J Dtsch Dermatol Ges. 2022;20(8):1147–1165. (AWMF-Register-Nr. 013-065; aktualisierte Leitlinie unter Mitautorschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie SGDV; topische Erstlinie Metronidazol/Azelainsäure/Ivermectin mit 100 % Konsens; Brimonidin 0.33 % Gel für persistierende Erytheme; niedrig dosiertes Doxycyclin als systemische Erstlinie bei papulopustulöser Form.)
  10. Heppt MV, Berking C, Leiter U, Garbe C, Becker JC, Volc-Platzer B, et al. S3-Leitlinie «Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut». AWMF-Register-Nr. 032-022OL; Aktualisierung 2023. (Topisches Armamentarium um Kaliumhydroxid 5%-Lösung, 5-FU 4 %-Creme und Tirbanibulin 1 %-Salbe erweitert; Klassifikation Olsen I–III; Cheilitis actinica; Feldtherapie bei multiplen Läsionen; Algorithmus zur Therapieauswahl.)
  11. Swissmedic. Fachinformation Klisyri® (Tirbanibulin 10 mg/g Salbe), Almirall. Bern: Swissmedic; 2022 (mit Updates). (Zugelassen für topische Feldtherapie nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher aktinischer Keratosen [Olsen-Grad I] im Gesicht oder auf der Kopfhaut bei Erwachsenen; Behandlungszyklus von 5 aufeinanderfolgenden Tagen einmal täglich, Behandlungsareal bis 25 cm², Erfolgsbeurteilung nach 8 Wochen; Mikrotubuli-Inhibitor mit Src-Tyrosinkinase-Modulation.) Ergänzend: FDA Approval Expansion Klisyri Juni 2024 für bis zu 100 cm². Prix Galien Suisse Kategorie «Cancer» 2025.
  12. Kalb M. WirkstoffAktuell – Topische Wirkstoffe Aktinische Keratose. Berlin: AkdÄ / KBV; 2023. (Vergleichende Übersicht: 5-FU 5 % Creme, 5-FU 4 % Creme, Imiquimod 3.75 %/5 %, Diclofenac 3 % Hyaluronsäure-Gel, Tirbanibulin, PDT; Heilungsraten in Studien: 5-FU 75 %, Imiquimod 54 %, MAL-PDT 38 %, Ingenolmebutat 29 % komplette Clearance.) Ergänzend: PharmaWiki. Aktinische Keratose. Aktualisiert 2024. (Ingenolmebutat [Picato®] in CH 2020 vom Markt genommen wegen Verdacht auf Tumorinitiations-Risiko.)
  13. Nenoff P, Krüger C, Schaller J, Ginter-Hanselmayer G, Schulte-Beerbühl R, Tietz HJ. Mykologie – ein Update Teil 3: Dermatomykosen: Topische und systemische Behandlung. J Dtsch Dermatol Ges. 2015;13(5):387–410. Ergänzend: GD Gesellschaft für Dermopharmazie. Stellungnahme zur Diagnostik und Therapie der Onychomykose. Köln: GD; 2013 (mit Updates). (Tinea pedis als Erysipel-Trigger OR 3.2 [interdigital], 1.7 [plantar]; Terbinafin systemisch 250 mg/Tag, Itraconazol als Alternative; Onychomykose topisch mit amorolfin- oder ciclopirox-haltigem Nagellack bei distal-lateraler Form ohne Matrix-Beteiligung; systemisch bei Matrix-Befall.)
  14. PharmaWiki. Terbinafin / Antimykotika. Aktualisiert 2024. Verfügbar unter: pharmawiki.ch. Ergänzend: Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie SGDV. Empfehlungen zur Behandlung der Dermatomykosen (Praxisleitfaden). (Topische Antimykotika OTC erhältlich in der Schweiz: Terbinafin, Bifonazol, Clotrimazol, Miconazol, Ciclopirox; Atraumatische Nagelabrasion mit 40 % Harnstoff-Salbe als ersten Schritt der Onychomykose-Therapie.)
  15. Nast A, Smith C, Spuls PI, Avila Valle G, Bata-Csörgö Z, Boonen H, et al. EuroGuiDerm Guideline on the systemic treatment of Psoriasis vulgaris – Part 1 and 2: 2020 update and Living Updates. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2020 & seitherige Updates. Ergänzend: AWMF-S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris. (Topische Erstlinie Calcipotriol + Betamethasondipropionat Fixkombi; Vit-D-Analoga; Klasse III–IV TKS; Salicylsäure-Keratolyse; Cignolin. Systemische Therapie: MTX, Ciclosporin, Acitretin, Fumarsäureester; Biologika TNF-α/IL-17/IL-23-Inhibitoren; Apremilast und Deucravacitinib oral. Tapinarof und Roflumilast in CH noch nicht zugelassen.)
  16. Swissmedic. Kurzbericht Arzneimittelzulassung Ebglyss® (Lebrikizumab). Bern: Swissmedic; 05.08.2025. Zulassung in der Schweiz: 30.08.2024. (Fertigspritze/Fertigpen 250 mg/2 ml; Indikation: mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit Körpergewicht ≥40 kg; Initialdosis 500 mg in Woche 0 und 2, dann 250 mg alle 2 Wo. bis Woche 16, danach 250 mg alle 4 Wo.; Kostengutsprache durch Vertrauensarzt erforderlich.) SwissPAR Ebglyss verfügbar via swissmedic.ch. Spezialitätenliste-Eintrag Compendium 1622437.
  17. Swissmedic. Public Summary SwissPAR Opzelura® (Ruxolitinibum). Bern: Swissmedic; 2025. Zulassung in der Schweiz: 30.01.2025. (Ruxolitinib 1.5 % Creme zur Behandlung der nicht-segmentalen Vitiligo mit Beteiligung des Gesichts bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren; Aufnahme in die Spezialitätenliste Juni 2025.) Wichtig: Die US-Indikation «leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis ab 12 Jahren» ist in der Schweiz nicht zugelassen. DHPC Opzelura Swissmedic 24.04.2025 (kristalline Partikel-Mitteilung).
  18. Swissmedic. Kurzbericht Arzneimittelzulassung Anzupgo® (Delgocitinib). Bern: Swissmedic; 23.05.2025. Zulassung in der Schweiz: 13.11.2024 (Zulassungsnummer 69330). (Delgocitinib 20 mg/g Creme; Indikation: mittelschweres bis schweres chronisches Handekzem bei Erwachsenen, die auf eine Therapie mit potenten bis hochpotenten topischen Kortikosteroiden nur unzureichend angesprochen haben oder bei denen diese nicht empfohlen wird; Pan-JAK-Inhibitor (JAK1/2/3, TYK2); max. 1 Tube à 60 g pro Monat; Aufnahme in die Spezialitätenliste per 1.3.2025.) Hersteller: Leo Pharma. Klinische Evidenz: DELTA 1/2/3 (Bissonnette R et al. Lancet 2024;404:461–473), DELTA FORCE.
  19. Compendium.ch. Roaccutan® (Isotretinoin) Weichkapseln 10 mg und 20 mg. Schweizer Fachinformation, abgerufen Mai 2026. (Indikation: Schwere refraktäre Akne. Dosierung Patient:innen >12 J.: initial 0.5 mg/kg/Tag in 1–2 Gaben, Erhaltungsdosis 0.5–1.0 [max. 2] mg/kg/Tag, Therapiedauer 16–24 Wochen, kumulative Zieldosis 120 mg/kg, eventueller zweiter Zyklus min. 8 Wochen nach Therapieende. Streng kontraindiziert in Schwangerschaft – Schwangerschaftsverhütungsprogramm gemäss Swissmedic verpflichtend.) Ergänzend: Lai J et al. Cumulative isotretinoin dose and acne recurrence. JAMA Dermatol. 2025.
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Rosa Berg

Autorin/Autor bei Dispensio.

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