Wundversorgung: Triage, Wundauflagen und chronische Wunden

Wann reicht das Pflaster, wann muss die Ärztin oder der Arzt verständigt werden, und wie funktioniert moderne Wundversorgung in der Schweizer Offizin, zwischen MiGeL, Spitex und SAfW-Wundexpertinnen und -experten.

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Mario Punch · June 25, 2026 · 27 min read
Wundversorgung: Triage, Wundauflagen und chronische Wunden

Eckpunkte

  • Tiefe, klaffende, infizierte oder bei Risikopatienten lokalisierte Wunden gehören zum Arzt; oberflächliche Wunden sind apothekenfähig.
  • Moderne, feuchte Wundheilung mit interaktiven Auflagen ist der trockenen Mullkompresse überlegen und beschleunigt die Heilung.
  • Antiseptika wie PHMB sind nur bei infizierten Wunden indiziert; Silberauflagen sind in der Schweiz zeitlich limitiert.
  • Beim Ulcus cruris venosum ist die Kompressionstherapie entscheidend für die Heilung; die Wundauflage allein reicht nicht aus.

Wundversorgung gehört zu den ältesten und alltäglichsten Aufgaben der Offizinpharmazie: vom Sturz auf dem Pausenhof bis zum chronischen Ulcus cruris venosum, von der Brandblase am Bügeleisen bis zur postoperativen Nachsorge. Was sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert hat, ist die wissenschaftliche Basis – die «moderne, feuchte Wundversorgung» mit interaktiven Wundauflagen hat das jahrzehntelang dominierende Modell der trockenen Wundheilung mit Mullbinde und Pflaster abgelöst. [1,2] Gleichzeitig sind die Schweizer Versorgungsstrukturen komplexer geworden: Apotheke, Hausarztpraxis, Spitex mit SAfW-zertifizierten Wundexpertinnen und -experten, Wundambulatorien an Spitälern, Diabetes-Beratungen, Phlebologinnen und Phlebologen – die Offizin ist ein zentraler Knotenpunkt, weil sie Patientinnen und Patienten in allen Phasen sieht: bei der akuten Triage-Frage am HV, bei der Selbstmedikation kleinerer Verletzungen, bei der Materialabgabe für die häusliche Wundversorgung, bei der Anbahnung der ärztlichen Konsultation oder Spitex-Beratung. Dieser Artikel fasst die wichtigsten regulatorischen, klinischen und pharmazeutisch-praktischen Aspekte der Wundversorgung in der Schweizer Apotheke zusammen – mit besonderem Fokus auf Triage-Kompetenz, moderne Wundauflagen, Antiseptika und die per 1. Januar 2026 aktualisierte Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL).

AUF EINEN BLICK

Definition chronische Wunde: In der Regel eine Wunde, die innerhalb von vier bis zwölf Wochen trotz adäquater Therapie keine Heilungstendenz zeigt; manche Leitlinien setzen die Grenze bei drei Monaten. Klinisch bedeutsam sind das Ulcus cruris venosum/arteriosum/mixtum, das diabetische Fusssyndrom (DFS) und der Dekubitus. [1,3]

Schweizer Epidemiologie: Etwa 1 % der Bevölkerung leidet im Laufe des Lebens unter einem «offenen Bein» (Ulcus cruris), bei den über 80-Jährigen mehr als 3 %. Ungefähr eine von drei Personen mit Diabetes mellitus entwickelt im Laufe des Lebens ein DFS; die Prävalenz akuter diabetischer Fussulzera in der Diabetes-Population liegt bei 2–10 %. [4,5]

Vier Phasen der Wundheilung: Hämostase (Sekunden bis Minuten) → Inflammation/Exsudation (0–3 Tage) → Proliferation/Granulation (3–21 Tage) → Maturation/Epithelisierung (bis zu einem Jahr). Bei chronischen Wunden ist der Übergang von Inflammation zur Proliferation gestört. [1,2,6]

TIME-Konzept für chronische Wunden: T (Tissue – Wundbett, Débridement), I (Infection/Inflammation – Infektkontrolle), M (Moisture – Feuchtigkeit, Exsudatmanagement), E (Edge – Wundrand, Epithelisierung). Internationaler Standard für die strukturierte Beurteilung. [1,7]

Antiseptika der Wahl 2025/2026: Polyhexanid (PHMB) und Octenidin (jeweils mit Phenoxyethanol kombinierbar) sind Mittel der ersten Wahl in der modernen Wundtherapie. Silberhaltige Wundauflagen in der Schweiz seit der MiGeL-Revision 2022 auf infizierte und kritisch kolonisierte Wunden eingegrenzt und auf maximal 30 Tage OKP-vergütet; antimikrobielle Auflagen sind keine Standardprodukte für die Regelversorgung. [2,7,8,20]

Schweizer Versorgung & Tarif: Die Apotheke gibt MiGeL-konforme Verbandsmaterialien ab (Höchstvergütungsbetrag HVB nach Mittel- und Gegenständeliste MiGeL, BAG-Ausgabe 1.1.2026). SAfW-zertifizierte Wundexpert:innen in Spitex-Diensten und Wundambulatorien übernehmen die professionelle Versorgung chronischer Wunden; die Apotheke ist Materiallieferant und Beratungsstelle. [9,10]

Klinisch-epidemiologischer Hintergrund: Wundarten in der Schweizer Versorgungsrealität

Wunden sind in der Schweiz ein häufiges und epidemiologisch bedeutsames Krankheitsbild – mit zwei sehr unterschiedlichen Versorgungsrealitäten: der akuten Bagatellverletzung, die in der Apotheke ohne ärztliche Konsultation behandelt wird, und der chronischen Wunde, die teils über Monate oder Jahre eine interdisziplinäre Versorgung verlangt.

Akute Wunden entstehen durch mechanische, thermische oder chemische Einwirkung: Schnitt-, Schürf-, Risswunden, Brandwunden, Quetschwunden, Operationswunden. Bei intakter Heilungsbiologie und ohne Komplikationen heilen sie innerhalb weniger Tage bis Wochen vollständig ab. Studien zur Häufigkeit von akuten Bagatellverletzungen im Alltag fehlen für die Schweiz, aber typische Apothekenzahlen aus dem deutschsprachigen Raum gehen davon aus, dass jede Person etwa einmal jährlich mit einer Wunde Apothekenkontakt hat (Beratung oder Materialabgabe). [11]

Chronische Wunden sind dagegen ein definiertes Krankheitsbild mit eigener Versorgungslogik. Die häufigsten Formen sind:

  • Ulcus cruris venosum («offenes Bein» bei chronisch-venöser Insuffizienz, CVI): mit Abstand häufigste chronische Wunde der unteren Extremität, etwa 50–80 % aller Ulcera cruris. Schweizer Lebensprävalenz: rund 1 %, bei über 80-Jährigen über 3 %. Pathophysiologisch zentral: gestörter venöser Rückfluss mit erhöhtem hydrostatischem Druck, Ödem, Hautveränderungen und Ulzeration meist am medialen Innenknöchel. [4,5,12]
  • Ulcus cruris arteriosum bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK): Geschwüre an Akren und Druckstellen, charakteristisch schmerzhaft (typischerweise nächtlich, im Liegen). Bei alleiniger arterieller Komponente Kompressionstherapie kontraindiziert – dieser Punkt ist Apothekenseitig zentral, weil eine versehentliche Kompression bei pAVK schwere Komplikationen verursachen kann. [6,12]
  • Ulcus cruris mixtum (gemischt venös und arteriell): häufiger Befund bei multimorbiden älteren Patientinnen und Patienten; Kompressionsdruck muss reduziert und individuell angepasst werden, ABI-Bestimmung obligat (Knöchel-Arm-Index).
  • Diabetisches Fusssyndrom (DFS): Etwa eine von drei Personen mit Diabetes mellitus entwickelt im Laufe des Lebens ein DFS; die Punktprävalenz von Fussulzera in der Diabetes-Population liegt bei 2–10 %. Pathophysiologisch sind Neuropathie (sensibel, motorisch, autonom) und Angiopathie zentral; das «Malum perforans» an Fusssohle/Vorfussballen ist die typische Lokalisation. Die Schweizerische Diabetesgesellschaft empfiehlt jährliche podologische Kontrollen, geeignete Schuhversorgung und konsequente Glukoseeinstellung als Sekundärprävention. [12,13]
  • Dekubitus (Druckgeschwür): bei immobilen, geschwächten oder mangelernährten Patientinnen und Patienten, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen (Steiss, Sakrum, Trochanter, Ferse, Hinterkopf). Stadieneinteilung nach EPUAP/NPIAP/PPPIA-Klassifikation (1–4 plus «unstageable» und «deep tissue pressure injury»). [14]

Hinter diesen Krankheitsbildern stehen Grunderkrankungen (CVI, pAVK, Diabetes, Immobilität, Mangelernährung), deren Therapie für die Wundheilung entscheidender ist als die lokale Wundbehandlung selbst. Die Apothekenrolle ist hier: erstens die Triage-Frage stellen («Ist das eine Bagatelle oder gehört das in fachärztliche Hände?»), zweitens die Verbandsmaterial-Versorgung sicherstellen, drittens die Patientinnen- und Patienten-Edukation begleiten – insbesondere bei Adhärenzthemen wie Kompressionstherapie oder Wundkontrolle bei Diabetes.

Physiologie der Wundheilung: vier Phasen, eine Logik

Wundheilung ist ein hochregulierter, zeitlich gestaffelter biologischer Prozess. Das klassische Vier-Phasen-Modell ist klinisch nützlich, auch wenn die Phasen überlappen und ineinander übergehen.

Phase 1 – Hämostase (Sekunden bis Minuten nach Verletzung): Vasokonstriktion der verletzten Gefässe, Thrombozytenaggregation und Aktivierung der Gerinnungskaskade. Der Thrombozytenpfropf wird durch Fibrinpolymerisation zum stabilen Gerinnsel. Thrombozytäre Wachstumsfaktoren (PDGF, TGF-β, VEGF) leiten die nächste Phase ein. Aus Apothekensicht relevant: bei stark blutenden Wunden Druckverband, Hochlagerung der betroffenen Extremität, und bei nicht stillbarer Blutung notärztliche Versorgung. [6]

Phase 2 – Inflammation/Exsudation (Tag 0 bis 3): Migration neutrophiler Granulozyten, später Makrophagen ins Wundgebiet; Phagozytose von Zelldebris und Pathogenen; Freisetzung von Zytokinen (IL-1, IL-6, TNF-α). Klinisch sichtbar als die «kardinalen Entzündungszeichen» Rubor, Calor, Dolor, Tumor, Functio laesa. Diese physiologische Inflammation ist ein notwendiger Teil der Heilung, nicht eine Wundinfektion. Eine echte Wundinfektion wird durch klinische Zeichen (zunehmender Schmerz, eitriger Belag, Geruch, Wärme, Rötung > 2 cm um Wundrand) und ggf. Allgemeinsymptome (Fieber, Lymphangitis) diagnostiziert. [2,6]

Phase 3 – Proliferation/Granulation (Tag 3 bis 21): Angiogenese mit Bildung eines reichen Kapillarnetzes, Migration und Proliferation von Fibroblasten, Aufbau einer kollagenen Extrazellulärmatrix, beginnende Wundkontraktion durch Myofibroblasten. Klinisch sichtbar als rot-fleischiges, granuläres Wundbett. Diese Phase ist besonders empfindlich gegenüber lokalen Störfaktoren: Austrocknung, Wundkühlung, mechanischer Stress, antiseptische Toxizität, Mangelernährung (insbesondere Eiweiss, Vitamin C, Zink, Eisen). [1,2,6]

Phase 4 – Maturation/Epithelisierung (Tag 21 bis Monate, teils bis zu einem Jahr): Migration von Keratinozyten vom Wundrand zur Wundmitte hin (epitheliale Vorwärtsbewegung), Umbau der Kollagenmatrix (Kollagen Typ III → Typ I), Rückbildung der Kapillaren. Die endgültige Belastbarkeit der Narbe erreicht etwa 70–80 % der intakten Haut. [6]

Bei chronischen Wunden ist dieser geordnete Ablauf gestört: die Wunde bleibt in der Inflammationsphase «hängen», es kommt zur persistenten Entzündung mit erhöhten Proteasen, die die Granulation behindern, die Wundränder sind hyperkeratotisch oder unterminiert, und das Wundbett ist fibrinös oder nekrotisch belegt. Die moderne Wundtherapie zielt darauf ab, mit dem TIME-Konzept (siehe unten) gezielt diese Störungen zu adressieren. [1,7]

Akute Wundtriage in der Apotheke: was selbst behandeln, was zum Arzt

Triage akuter Wunden in der Apotheke: Die Apotheke entscheidet täglich, welche Wunde mit Selbstmedikation und Materialberatung behandelt werden kann und welche in ärztliche Hände gehört. Eine pragmatische Triage-Heuristik orientiert sich an folgenden Kriterien:

Selbstmedikation in der Apotheke vertretbar bei:

  • Oberflächlichen Schürf- oder Schnittwunden, bis ca. 2–3 cm Länge, ohne starke Blutung;
  • kleinen Brandwunden Grad I (Rötung, keine Blasenbildung) oder kleinflächigen Grad IIa (oberflächliche Blasenbildung, < 1 % Körperoberfläche, keine Hand-/Gesicht-/Genital-/Gelenklokalisation);
  • stumpfen Verletzungen ohne Wunde (Prellungen, Hämatome);
  • kleinen blasenbildenden Reibverletzungen («Blasen» am Fuss/Hand);
  • kleinen Insektenstichen ohne Anaphylaxierisiko.

Ärztliche Konsultation (oder Notfall) angezeigt bei:

  • tiefen, klaffenden oder stark blutenden Wunden (Naht- oder Klebeverschluss nötig);
  • Wunden im Gesicht, an der Hand, über einem Gelenk oder im Genitalbereich (kosmetische oder funktionelle Relevanz, höheres Komplikationsrisiko);
  • Bisswunden (Mensch, Hund, Katze – generelles Infektionsrisiko, ggf. Tollwutprophylaxe bei unklarer Herkunft);
  • Stich- und Pfählungsverletzungen, Schnitten mit Glas/Metall mit Verdacht auf Fremdkörper;
  • Brandwunden Grad IIb oder III, Verbrennungen ≥ 1 % Körperoberfläche, alle Hand-/Gesicht-/Genital-/Gelenkverbrennungen, alle Verbrennungen bei Kindern oder älteren Patientinnen und Patienten;
  • Wunden mit klinischen Infektionszeichen (Rötung > 2 cm, Schwellung, Eiter, zunehmender Schmerz, Fieber, Lymphangitis);
  • allen Wunden bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus, pAVK, Immunsuppression, Steroidtherapie oder Antikoagulation – auch oberflächlichen;
  • unklarem Tetanus-Impfschutz: Schweizerischer Impfplan 2026 empfiehlt Auffrischimpfung bei Erwachsenen 25–64 J. mit sauberer Wunde > 20 Jahre / verschmutzter Wunde > 10 Jahre; bei Kindern und ≥ 65 J. > 10 J. / > 5 J. seit letzter Impfung. [15]

Apothekenseitige Erstversorgung kleiner akuter Wunden: (a) Reinigung mit steriler Ringer- oder Kochsalzlösung oder unter sauberem fliessendem Leitungswasser, (b) milde Antiseptik (z.B. wässrige Polyhexanid- oder Octenidin-Lösung – nicht alkoholische Lösungen ins Wundbett, da gewebetoxisch und schmerzhaft), (c) sterile feuchte oder hydroaktive Wundauflage (Hydrokolloid bei wenig Exsudat, Schaumstoff bei mehr Exsudat), (d) Sekundärfixierung, (e) Beobachtung und Wundkontrolle nach 24–48 Stunden. [2,6,11]

Was nicht mehr empfohlen wird: wiederholtes alkoholisches Desinfizieren der Wunde (gewebetoxisch); trockene Mullkompressen direkt auf granulierende Wunden (verkleben, traumatisieren beim Verbandwechsel); Puderbehandlungen, Salben oder Hausmittel auf offenen Wunden; Wasserstoffperoxid (zytotoxisch, ohne klinischen Nutzen); Farbantiseptika wie Gentianaviolett oder Mercurochrom (heute obsolet, in der Schweiz nicht mehr verkehrsfähig). [2,7]

TIME-Konzept: strukturierte Beurteilung chronischer Wunden

Das TIME-Konzept wurde 2003 von einer internationalen Expertengruppe (Schultz et al., Wound Repair Regen 2003) entwickelt und 2021 von Sibbald et al. zur «Wound Bed Preparation 2021» aktualisiert (Adv Skin Wound Care 2021). Es ist heute der weltweit anerkannte Rahmen für die strukturierte Beurteilung chronischer Wunden, Grundlage der Schweizer SAfW-Wundkompendium-Empfehlungen und der aktualisierten deutschen S3-Leitlinie zur Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden (AWMF 091-001, Stand 11.9.2023, gültig bis 10.9.2028). [1,7]

T – Tissue (Wundbett, Gewebe): Beurteilung des Wundgrundes auf Anteile von Granulationsgewebe (rot, gut), Epithel (rosa, sehr gut), Fibrin/Beläge (gelb, störend) und Nekrose (schwarz, behandlungsbedürftig). Bei Fibrin- oder Nekrose-Belägen ist ein Débridement erforderlich – das heisst die Entfernung avitalen Gewebes. Möglichkeiten: mechanisch (Spülung, Kompressen), chirurgisch/scharf (durch Arzt/Wundfachperson), autolytisch (Hydrogele, Hydrokolloide), enzymatisch (z.B. Kollagenase – in CH wenig gebräuchlich), biologisch (sterile Madentherapie, Lucilia sericata – in spezialisierten Wundzentren). Welche Methode jeweils geeignet ist, hängt von Wundzustand, Schmerzempfinden, Setting und verfügbarer Expertise ab. [1,7,8]

I – Inflammation / Infection (Entzündung, Infektion): Differenzialdiagnose zwischen physiologischer Inflammation, kritischer Kolonisation (subklinische bakterielle Belastung mit verzögerter Heilung) und manifester Wundinfektion (klassische Entzündungszeichen + Allgemeinsymptome). Bei kritischer Kolonisation oder Infektion: antiseptische Lokaltherapie mit Polyhexanid (PHMB) oder Octenidin als Mittel der ersten Wahl, ggf. ergänzt durch antimikrobielle Wundauflagen (Silber, Honig, DACC, hydrophobe Auflagen). Wichtig: nur ein antimikrobielles Produkt pro Wunde, Behandlungsdauer in der Regel auf 14 Tage begrenzen, dann Reassessment. [2,7,8]

M – Moisture (Feuchtigkeitsgleichgewicht): Sowohl trockene als auch übermässig feuchte Wunden heilen schlechter. Der Goldstandard «feuchte Wundheilung» (Winter 1962) bedeutet ein physiologisch ausbalanciertes Mikroklima: Wundgrund nicht ausgetrocknet (sonst Migrations-Hemmung der Keratinozyten), Wundränder nicht mazeriert (sonst Aufweichung der Haut, sekundäre Wundvergrösserung). Werkzeuge: Hydrogele bei trockenen Wunden, Hydrokolloide / Schaumstoffe / Hydrofasern / Alginate / Superabsorber je nach Exsudationsgrad. [1,6,16]

E – Edge (Wundrand, Epithelisierung): Ein gesunder Wundrand zeigt ein flaches, vital-rosa erscheinendes Epithel, das sich von der Peripherie zur Wundmitte zubewegt. Pathologisch sind: hyperkeratotische Ränder, unterminierte (taschenartig vom Wundgrund abgehobene) Ränder, livide Verfärbungen (Stauung), Mazeration. Therapeutische Optionen: Hautpflege der Wundumgebung mit barrierebildenden Produkten (Zinkpaste, Hautschutzfilme z.B. Cavilon, Silikon-Hautschutzcremen), regelmässige Wundrandtoilette, bei nicht heilenden Wunden Reassessment auf zugrunde liegende Ursachen (kausale Therapie nicht ausreichend). [1,7]

Die SAfW-Wundkompendium-Empfehlung lautet: TIME-Beurteilung bei jedem Verbandwechsel chronischer Wunden dokumentieren, idealerweise mit Wundfotografie und standardisierten Dokumentations-Tools. Die ICW-Wundakte (Initiative Chronische Wunden) und die Schweizer SwissDOC sind verbreitete strukturierte Dokumentations-Instrumente. [1,7]

Wundantiseptika: Polyhexanid, Octenidin, Silber, Honig

Wundantiseptika sind ein zentrales Werkzeug der modernen Wundtherapie – aber kein Routine-Produkt für jede Wunde. Die Indikation zur antiseptischen Lokaltherapie ist die klinisch infizierte oder kritisch kolonisierte Wunde, nicht die saubere granulierende Wunde. Der häufigste Fehler in der Praxis: zu langer oder undifferenzierter Einsatz von Antiseptika, der die Wundheilung durch zytotoxische Wirkung selbst verzögert. [2,7,8]

Polyhexanid (PHMB, Polihexamethylenbiguanid) ist das aktuelle Mittel der ersten Wahl in der Wundtherapie. Wirkspektrum: grampositive und gramnegative Bakterien, Pilze, viele Viren. Sehr gute Biokompatibilität (geringe Zelltoxizität), keine bekannten Resistenzen, kein Sensibilisierungsrisiko. Anwendung: konservierte Wundspüllösungen (0.04 % oder 0.1 %), in Hydrogele oder Wundauflagen eingearbeitet. Mindesteinwirkzeit als Lösung 10–15 Minuten, daher in der Praxis bevorzugt als wirkstoffbeladene Wundauflage. Nicht anwenden: bei offenliegendem Knorpel, im Innenohr, im ZNS. [2,7,8]

Octenidin (Octenidindihydrochlorid), häufig kombiniert mit Phenoxyethanol (OCT/PE): zweite Wahl, bei kritisch infizierten Wunden und multiresistenten Erregern (MRE) frühzeitige Option. Sehr breites Wirkspektrum, schnelle Wirkung. Cave: nicht ins Innenohr, nicht in tiefe geschlossene Wundhöhlen (Risiko schwerer Gewebsschädigungen bei mangelndem Abfluss – Dokumentierte Fälle bei Stichkanal-Spülungen). [7,8]

Iodhaltige Antiseptika (Povidon-Iod als Lösung Betadine®, Braunoderm®, Braunol®, oder als Tüllverband Inadine®): klassisch breitspektrum-antimikrobiell, aber Risiken: Resorption mit Schilddrüsenhormonbeeinflussung (Cave bei Schwangerschaft, Stillzeit, Schilddrüsenerkrankung, Neugeborenen), allergische Hautreaktionen, mögliche Jodalleregien. Heute in der modernen Wundversorgung zurückhaltend eingesetzt; Inadine® jedoch weiterhin als kostengünstige Tüll-Variante bei oberflächlichen kolonisierten Wunden gebräuchlich. [7,12]

Natriumhypochlorit / hypochlorige Säure (NaOCl/HOCl): neuere, sehr gut verträgliche Antiseptika-Klasse mit guter Wirksamkeit und sehr niedriger Zelltoxizität. In Schweizer Apotheken verfügbar als Wundspüllösung (z.B. ActiMaris®, Granudacyn®). Anwendung als Wundspüllösung; keine Einwirkzeit notwendig. Indikation: ergänzend zu PHMB/Octenidin, insbesondere bei wiederholter Wundspülung in der häuslichen Versorgung. [7]

Silberhaltige Wundauflagen (z.B. Aquacel® Ag/Ag+, Mepilex® Ag, Allevyn® Ag, Suprasorb® A+Ag): Silberionen als breitspektrum-antimikrobieller Wirkstoff. Indikation: kritisch kolonisierte bis infizierte Wunden mit mittlerer bis starker Exsudation. Wichtige Schweizer Praxisregel (MiGeL-Revision 2022): Die Anwendung silberhaltiger Wundverbände wurde in der MiGeL auf infizierte und kritisch kolonisierte Wunden eingegrenzt und die OKP-vergütete Anwendungsdauer auf 30 Tage limitiert. In begründeten Fällen kann der Versicherer auf vorgängige Kostengutsprache und Empfehlung des Vertrauensarztes/der Vertrauensärztin eine längere Anwendungsdauer vergüten. Internationale Wundauflagen-Hersteller hatten 2014 zusätzlich einen Konsens festgelegt, der eine durchgehende Anwendung in der Regel auf 14 Tage begrenzt – nach dieser Zeit ist die Wundsituation klinisch zu reassessieren. Silber wirkt nur in wässrigem Milieu – trockene Wunden vorher mit Wundspüllösung anfeuchten. [2,7,8,11,20]

Medizinischer Honig (Manuka- oder Multiflora-Honig, medizinisch aufbereitet und steril, z.B. Medihoney®, Activon®, L-Mesitran®): antimikrobiell (osmotisch durch hohen Zuckergehalt, plus Wasserstoffperoxid-Bildung durch enzymatische Glucose-Oxidation, plus Methylglyoxal bei Manuka), debridierend, geruchsbindend. Indikation: chronische infizierte Wunden, Fibrinbeläge, schlechtriechende Wunden. [7,12]

Hydrophobe Wundauflagen mit DACC (Dialkylcarbamoylchlorid) (z.B. Cutimed Sorbact®): kein chemisches Antiseptikum, sondern physikalische Bindung von Mikroorganismen an die hydrophobe Faseroberfläche, die mit der Auflage entfernt werden. Keine Resistenzentwicklung, keine Zytotoxizität, auch in Schwangerschaft und bei Kindern einsetzbar. Indikation: kritisch kolonisierte oder infizierte Wunden. [7,11]

Wichtige Praxisregel zur Antiseptika-Anwendung: Maximal ein antimikrobielles Produkt pro Wunde gleichzeitig anwenden – «ein Keim kann nur einmal sterben». Die Kombination mehrerer antimikrobieller Produkte ist nicht wirksamer, aber teurer und ggf. zelltoxischer. Routine-Anwendung von Antiseptika bei sauberen, granulierenden Wunden ist nicht indiziert. [11]

Moderne Wundauflagen: Klassen, Indikationen, Auswahl

Moderne Wundauflagen der feuchten Wundversorgung sind interaktive Materialien, die das Wundmilieu aktiv beeinflussen: Exsudat aufnehmen, Feuchtigkeit spenden, Bakterien binden, Druck verteilen. Die wichtigsten Produktklassen für die Schweizer Apothekenpraxis:

Folienverbände (z.B. Tegaderm™, OpSite™, Mepore Film®, Hydrofilm®): dünne, transparente, semipermeable Polyurethanfolien. Gasdurchlässig (O₂, CO₂, Wasserdampf), wasserabweisend von aussen. Indikation: oberflächliche, wenig exsudierende Wunden, sekundäre Fixierung anderer Auflagen, Schutz von gefährdeten Hautarealen. Vorteil: visuelle Wundkontrolle ohne Verbandwechsel. Nachteil: keine Exsudataufnahme. [11]

Hydrokolloide (z.B. Comfeel®, DuoDerm®, Granuflex®, Suprasorb® H, Hydrocoll®): selbstklebende, polymerbasierte Auflagen mit hydrokolloid-bildenden Bestandteilen (meist Natrium-Carboxymethylcellulose, NaCMC). Wechselwirkung mit Wundexsudat: Gelbildung im Kontakt mit Feuchtigkeit. Indikation: oberflächliche bis tiefe Wunden mit geringer bis mittlerer Exsudation, Granulations- und Epithelisierungsphase. Verbandwechsel je nach Exsudat alle 3–7 Tage. Cave: Geruchsbildung im Gel ist normal und kein Infektzeichen. [11,16]

Hydrogele (z.B. IntraSite Gel®, Suprasorb® G, Hydrosorb®, NU-Gel®): amorphe Gele oder gel-formend gewebte Auflagen mit hohem Wassergehalt. Indikation: trockene, nekrotische oder fibrinöse Wunden zur autolytischen Reinigung (Rehydrierung des Belags), Schmerzlinderung in der Granulationsphase. Cave: nicht bei stark exsudierenden Wunden (Mazerationsgefahr). [11,16]

Hydrofasern (z.B. Aquacel® Extra, Suprasorb® Liquacel): aus Natrium-Carboxymethylcellulose-Fasern, hohe Saugkraft (bis zu 30-fach des Eigengewichts), Gelbildung im Wundkontakt, vertikale Saugrichtung. Indikation: mittel bis stark exsudierende Wunden, Wundhöhlen (auch tiefe). Sehr atraumatischer Verbandwechsel. [11,16]

Alginate (z.B. Kaltostat®, SeaSorb®, Suprasorb® A, Algisite®): aus Calcium-Alginat (gewonnen aus Braunalgen), bildet bei Exsudatkontakt ein Gel; zusätzlich hämostatische Wirkung durch Ca²⁺-Freisetzung. Indikation: stark exsudierende, blutende oder oberflächliche Wundhöhlen, postoperative Nachblutung, ulzerierte Tumorwunden. Gut für Wundhöhlen tamponierbar. Cave: nicht bei trockenen Wunden (verkleben). [11,16]

Schaumstoffe / Foams (z.B. Mepilex®, Allevyn®, Cutimed® Siltec, Biatain®, DracoFoam®, Suprasorb® P): hydrophile Polyurethanschäume, oft mit Silikon-Wundkontaktschicht (atraumatischer Verbandwechsel). Sehr hohe Aufnahmekapazität, gute Polsterung. Indikation: mittel bis stark exsudierende Wunden in der Granulations- und Epithelisierungsphase – das wahrscheinlich vielseitigste Produkt der modernen Wundversorgung. Verfügbar in verschiedenen Formen (Sakrum, Ferse, anatomisch) und mit/ohne Klebrand. [11,16]

Superabsorber (z.B. Zetuvit® Plus, Vliwasorb® Pro, Cutimed® Sorbion): mehrlagige Auflagen mit Superabsorber-Polymeren (SAP), wie sie auch in Babywindeln zum Einsatz kommen. Sehr hohe und dauerhafte Aufnahmekapazität, geeignet für Verbandwechsel im 3–7-Tages-Rhythmus. Indikation: sehr stark exsudierende Wunden (z.B. Ulcus cruris venosum in der Reinigungsphase, lymphorrhoische Wunden). [11,16]

Antimikrobielle Wundauflagen (Silber, PHMB, Honig, DACC – siehe Antiseptika-Abschnitt): Spezialprodukte für kritisch kolonisierte oder infizierte Wunden, max. 14 Tage durchgehend, dann Reassessment. [2,7]

Praktischer Apothekentipp: Bei der Materialberatung am HV ist es hilfreich, drei Fragen zu klären – (1) Lokalisation und Art der Wunde (oberflächlich, tief, Lokalisation), (2) Exsudation (trocken, wenig, mittel, stark, sehr stark), (3) Wundphase (Reinigung, Granulation, Epithelisierung) und (4) Wer behandelt (Patientin oder Patient selbst, Angehörige, Spitex). Daraus ergibt sich die Auflagenwahl. [7,11]

Chronische Wunden: Ulcus cruris, DFS, Dekubitus

Drei Krankheitsbilder dominieren die Schweizer Versorgungsrealität chronischer Wunden – und je nach Genese unterscheidet sich die Therapie fundamental.

Ulcus cruris venosum ist die mit Abstand häufigste chronische Wunde der unteren Extremität: rund 80 % aller Ulcera cruris sind venös bedingt, weitere 10–15 % rein arteriell, der Rest ist gemischt oder durch andere Ursachen (Vaskulitis, Pyoderma gangraenosum, Tumorulzera) bedingt. [12,17] Pathophysiologisch zentral: chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) mit gestörtem venösem Rückfluss durch Klappeninsuffizienz und/oder postthrombotisches Syndrom; erhöhter hydrostatischer Druck → Ödem → trophische Hautveränderungen (Stauungsdermatitis, Atrophie blanche, Hyperpigmentierung durch Hämosiderin) → Ulzeration, typischerweise am medialen Innenknöchel. Therapie kausal: Kompressionstherapie (Goldstandard) – ohne Kompression keine Heilung. Wundauflagen sind unterstützend; entscheidend ist der Kompressionsdruck und die Compliance. [12,17]

Ulcus cruris arteriosum entsteht durch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) mit reduzierter Perfusion. Klinisch: scharf begrenzte, oft schmerzhafte (insbesondere im Liegen) Ulzeration an Akren und Druckstellen, kühle und blasse Extremität, fehlende Fusspulse. Vor jeder Kompressionstherapie bei einem Ulcus cruris: ABI-Bestimmung (Knöchel-Arm-Index) obligat. Kompression ist kontraindiziert bei fortgeschrittener pAVK: ABI < 0.5 oder Knöchelarteriendruck < 60 mmHg oder Zehendruck < 30 mmHg (S3-Leitlinie). Bei einem ABI zwischen 0.5 und 0.9 ist eine modifizierte (reduzierte) Kompression unter ärztlicher Kontrolle möglich; eine milde pAVK (ABI 0.6–0.9) stellt keine absolute Kontraindikation dar. Bei ABI ≥ 0.9 ist die normale Kompression möglich; bei ABI > 1.3 ist eine Mediasklerose zu vermuten (falsch hohe Werte, weitere Diagnostik erforderlich). [12,17] Bei reinem Ulcus cruris arteriosum steht die Revaskularisation im Vordergrund (interventionell oder operativ).

Diabetisches Fusssyndrom (DFS) ist die häufigste chronische Wunde bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus. Pathophysiologie multifaktoriell: (a) sensible Neuropathie führt zu fehlender Wahrnehmung von Druck/Schmerz, dadurch unbemerkte Mikroverletzungen; (b) motorische Neuropathie führt zu Fehlstellungen, Druckspitzen; (c) autonome Neuropathie reduziert Schweissproduktion → trockene Haut mit Rhagaden-Risiko; (d) Angiopathie (sowohl Mikro- als auch Makro) reduziert Perfusion und Wundheilung. Schweizerische Diabetesgesellschaft empfiehlt jährliche podologische Kontrollen, geeignete Schuhversorgung, konsequente Glukose-Einstellung. Apothekenrolle: Hautpflege (Urea-haltige Cremen, z.B. 5–10 % bei Hyperkeratose), Beratung zur Selbstuntersuchung («Spiegelprobe» der Fusssohle), Verweis bei jedem auch oberflächlichem Befund an Hausarzt oder Diabetes-Beratung. Wagner-Armstrong-Klassifikation des DFS ist klinischer Standard zur Verlaufsdokumentation – sie kombiniert die Wagner-Grade 0–5 (Schweregrad/Tiefe: 0 prä-/postulcerative Läsion bzw. Risikofuss → 1 oberflächliche Wunde → 2 Wunde bis Sehne/Kapsel → 3 Wunde bis Knochen/Gelenk → 4 Nekrose von Fussteilen → 5 Nekrose des gesamten Fusses) mit den Armstrong-Stadien A–D (A: ohne Infektion oder Ischämie, B: mit Infektion, C: mit Ischämie, D: mit Infektion und Ischämie). [12,13]

Dekubitus entsteht durch lokalisierten Druck (mit oder ohne Scherkräfte) auf der Haut über knöchernen Vorsprüngen, klassischerweise bei immobilen Patientinnen und Patienten. Stadieneinteilung nach EPUAP/NPIAP/PPPIA (European Pressure Ulcer Advisory Panel / National Pressure Injury Advisory Panel / Pan Pacific Pressure Injury Alliance, 3. Edition November 2019, Hrsg. Emily Haesler – konsentiert von 168 internationalen Expertinnen und Experten aus 14 Associate Organizations): Stadium 1 (nicht-wegdrückbares Erythem bei intakter Haut) → 2 (Hautverlust bis zur partiellen Dermistiefe, oberflächliche Wunde) → 3 (Hautverlust bis zur Subkutis) → 4 (Hautverlust bis Muskel, Sehne, Knochen), plus «unstageable pressure injury» (Verlust mit nicht sichtbarem Wundgrund durch Beläge/Eschar) und «deep tissue pressure injury» (persistent verfärbtes nicht-wegdrückbares Areal). Prävention ist entscheidender als jede Wundbehandlung: Lagerungswechsel alle 2 Stunden (oder häufiger), druckentlastende Hilfsmittel (Antidekubitusmatratze – MiGeL-vergütet bei entsprechender Indikation), Hautpflege, Mobilisierung, Mangelernährung adressieren. [14] Apothekenrolle: Beratung Angehöriger und Pflege zur Prävention, Hautpflege-Produkte (Urea, Dexpanthenol, barrierebildende Filmsprays z.B. Cavilon®), Verweis bei Hautveränderungen vor Stadium 2 an Hausarzt/Spitex – Frühintervention ist sehr lohnend.

Vier typische HV-Beratungssituationen

Vier typische Wundversorgungs-Beratungssituationen in der Schweizer Offizin – mit konkreten Triage-Entscheiden und Materialempfehlungen.

1. Schnittwunde Küche – tiefe Schnittverletzung am Finger

Frau A., 38, kommt mit notdürftig umwickeltem Zeigefinger der rechten Hand: «Ich habe mich beim Zwiebelschneiden geschnitten. Es blutet seit einer halben Stunde immer noch. Was kann ich tun?» — Triage-Frage (Open Question): «Darf ich kurz schauen?» Beim Entfernen des provisorischen Verbands sichtbar: ca. 1.5 cm langer, klaffender Schnitt durch die Haut bis vermutlich in die Subkutis, weiterhin Blutung. Klare Indikation für ärztliche Konsultation: tiefe klaffende Wunde an der Hand, anhaltende Blutung – Naht oder Klebeverschluss durch Arzt nötig; ausserdem Lokalisation (Hand, funktional und kosmetisch relevant), Tetanus-Status zu prüfen, ggf. Nervenfunktion zu evaluieren. Apothekenseitige Erstversorgung bis ärztliche Versorgung: (a) Hochlagern der Hand über Herzhöhe, (b) Druckverband mit steriler Kompresse und elastischer Binde, (c) ruhiger Verweis an Notfall (Hausarztpraxis Walk-in oder Spital-Notfallaufnahme). «Frau A., das gehört in die Hausarztpraxis oder den Notfall – die Wunde ist tief und muss professionell verschlossen werden. Ich verbinde Ihnen das jetzt fest, Sie halten die Hand hoch und fahren direkt in die Praxis.» Tetanus-Auffrischung gemäss Schweizerischem Impfplan 2026 bei Erwachsenen 25–64 J. mit verschmutzter/tiefer Wunde indiziert, falls letzte Impfung > 10 Jahre zurückliegt.

2. Schürfwunde Kind – Sturz mit dem Velo

Frau B. mit Tim, 8 Jahre, der nach einem Sturz vom Velo eine ca. 3 × 4 cm grosse Schürfwunde am Knie hat. Sie ist verschmutzt mit Erde und Splittern, blutet wenig, aber Tim weint und will sich nicht anfassen lassen. — Open Question: «Wie schlimm ist die Stelle, kannst du mir die zeigen, Tim?» Anamnese: Sturz vor 30 Minuten, Tim ist nach Schweizer Impfplan (BAG) geimpft (Tetanus mit Boostrix vor 2 Jahren). Triage: keine tiefe oder klaffende Wunde, keine Hand-/Gesicht-/Gelenkproblematik, keine schwere Blutung, keine ungewöhnlichen Begleitsymptome → Apotheken-Selbstmedikation vertretbar. Wundversorgung: (a) sanfte Reinigung mit steriler Ringer-Lösung oder Octenisept®-Spray (kindgerecht, schmerzarm), (b) Entfernung sichtbarer Fremdkörper mit steriler Pinzette, falls oberflächlich und schmerzfrei möglich (sonst Hausarzt), (c) atraumatische, polsternde Wundauflage – bei Kindern bewährt: Hydrokolloid (z.B. Comfeel® Plus Transparent) oder eine Silikon-Foam-Auflage (z.B. Mepilex® Border). Vorteil: bleibt mehrere Tage, schützt vor Verschmutzung, schmerzarmer Wechsel. (d) Beratung: «Tim, dieses Pflaster bleibt jetzt 3–5 Tage drauf, du kannst auch duschen damit. Wir wechseln es, wenn die Ränder aufweichen oder es sich löst. Wenn die Stelle warm oder rot wird, oder du Schmerzen hast, kommt ihr wieder.» Mutter erhält schriftliche Wundkontroll-Anleitung.

3. Brandwunde Herd – heisses Pfannenfett

Herr C., 54, hat sich mit heissem Pfannenfett verbrannt – linker Unterarm, ca. 4 × 8 cm gerötet, eine ca. 2 cm grosse Blase. Verletzung vor 45 Minuten, er hat den Arm sofort 10 Minuten unter handwarmes Wasser gehalten. Anamnese: keine Vorerkrankungen, Tetanus-Status aktuell. — Klinische Einordnung: Erythem mit Blasenbildung = Verbrennung Grad IIa (oberflächliche dermale Schädigung). Lokalisation Unterarm, nicht Gesicht/Hand/Gelenk, kleinflächig (< 1 % KOF) → grundsätzlich Apotheken-versorgbar. Apothekenseitige Versorgung: (a) Blase nicht öffnen (natürlicher Schutz, infektionsverhindernd), (b) Reinigung mit steriler Kochsalz- oder Polyhexanid-Lösung, (c) Brandwunden-Hydrogel-Auflage (z.B. Burnshield®, ggf. Suprasorb® G) – kühlend, schmerzlindernd, idealerweise mit Silikon-Adhäsionsfläche zur atraumatischen Anwendung; alternativ Silikon-Foam (Mepitel® One + Sekundärauflage), (d) Sekundärfixierung locker, ohne Druck auf Blase, (e) Schmerztherapie: Paracetamol 1 g p.o. oder Ibuprofen 400 mg p.o. (NSAR auch antiinflammatorisch). Klare Wiedervorstellungs-Kriterien: «Wenn die Schmerzen trotz Schmerzmittel sehr stark werden, die Rötung sich vergrössert oder Eiter sichtbar wird, oder Sie Fieber bekommen, gehen Sie umgehend zum Arzt.» Bei Eskalation: Verbrennung Grad IIb (tiefere dermale Schädigung, weisslich-fleckig, weniger schmerzhaft) oder ungewöhnliche Lokalisation → Hausarzt oder Notfallaufnahme.

4. Chronisches Ulcus cruris venosum – ältere Patientin mit Compliance-Sorgen

Frau D., 76, kommt seit Monaten regelmässig zu Material-Nachbestellungen für ihr Ulcus cruris venosum am linken Innenknöchel. Heute fragt sie: «Wissen Sie, der Kompressionsstrumpf, den der Arzt verordnet hat – ich kriege den morgens kaum mehr alleine an. Und am Abend tut alles weh. Ich glaube, ich lasse ihn jetzt einfach weg. Geht das auch?» — Open Question: «Erzählen Sie mir mal, wie Sie aktuell den Tag mit dem Strumpf erleben.» Reflective Listening: «Es ist anstrengend mit dem Anziehen, und Sie haben das Gefühl, ohne wäre es leichter – das ist verständlich.» Fachliche Einordnung: Kompressionstherapie ist kausale Therapie des Ulcus cruris venosum – ohne Kompression ist die Wundheilung praktisch unmöglich, weil der erhöhte venöse Druck weiterhin Ödem und Mikrozirkulationsstörung produziert. Adhärenz-Probleme bei Kompressionsstrümpfen sind sehr häufig und einer der Hauptgründe für rezidivierende oder nicht heilende Ulcera cruris. Praktische Apotheken-Lösungen: (a) Anziehilfen (z.B. Easy-Slide, Magnide, Doff’n Donner – MiGeL-vergütet bei entsprechender Indikation), die die morgendliche Anziehprozedur drastisch erleichtern. (b) Alternative: Mehrkomponenten-Kurzzug-Kompressionsverband (z.B. UrgoK2®, Coban® 2-Layer), der von Spitex oder Hausarztpraxis angelegt wird und 7 Tage bleibt – könnte für Frau D. eine deutliche Entlastung sein. (c) Hinweis: «Frau D., bevor Sie den Strumpf weglassen – das wäre für Ihr Bein wirklich schlimm – lassen Sie uns gemeinsam mit Ihrer Hausarztpraxis und der Spitex schauen, was wir am Versorgungskonzept anpassen können. Ich rufe heute noch Ihre Hausärztin an, wenn Sie einverstanden sind.» Apotheke vermittelt Konsultation, ggf. Wundambulatorium-Termin und Spitex-Wundvisite mit SAfW-zertifizierter Wundexpertin. Diese vermittelnde Apothekenrolle zwischen Patientin, Hausarztpraxis und Spitex ist eines der wertvollsten Beiträge der Offizin in der Versorgung chronischer Wunden.

Praxistool: Wundauflagen nach Wundphase und Exsudation

Die folgende Matrix unterstützt die Auflagenwahl am HV. Sie ersetzt nicht die strukturierte Beurteilung durch eine Wundfachperson, hilft aber bei der ersten Orientierung. Bei chronischen Wunden, die nicht heilen, gehört die Therapieanpassung in fachkundige Hände (Hausarzt, SAfW-Wundexpertin oder -experte, Wundambulatorium).

Wundphase / ExsudationWundbeschaffenheitErste Wahl (Beispiele)Wichtig zu beachten
Reinigungsphase – trocken/nekrotischSchwarzer Belag, Nekrose, trockenHydrogel (z.B. IntraSite Gel®, Suprasorb® G); Folie als SekundärabdeckungWenn ausgedehnt: chirurgisches Débridement durch Arzt/Wundexpertin oder -experte. Bei pAVK Vorsicht!
Reinigungsphase – fibrinös, wenig ExsudatGelblicher Fibrinbelag, oberflächlich, wenig SekretHydrogel + Schaumstoff; alternativ Hydrokolloid (autolytische Reinigung)Verbandwechsel alle 2–4 Tage. Bei Verschlechterung Reassessment.
Reinigungsphase – stark exsudierendFibrin/Beläge, viel SekretHydrofaser (Aquacel®) oder Alginat (Kaltostat®, SeaSorb®) + Schaumstoff als SekundärauflageSchutz der Wundumgebung vor Mazeration (Zinkpaste, Hautschutzfilm)
Infektion / kritische KolonisationRötung, Wärme, Geruch, WundverschlechterungPHMB- oder Octenidin-Spüllösung + antimikrobielle Auflage (Silber, PHMB, DACC, Honig)Schweiz: silberhaltige Auflagen MiGeL-vergütet max. 30 Tage bei infizierten/kritisch kolonisierten Wunden. Nur EIN antimikrobielles Produkt.
Granulation – wenig ExsudatRotes, granuläres Wundbett, wenig SekretHydrokolloid (Comfeel®, Granuflex®, Suprasorb® H) oder dünner SchaumstoffVerbandwechsel je nach Exsudat alle 3–7 Tage
Granulation – mittel/stark ExsudatRotes Wundbett, deutliches ExsudatSchaumstoff mit Silikon-Wundkontakt (Mepilex® Border, Allevyn® Life, Cutimed® Siltec)Atraumatischer Wechsel, gut bei empfindlichen Wundrändern
Granulation – sehr stark exsudierendStark nässend, lymphorrhoischSuperabsorber (Zetuvit® Plus, Vliwasorb® Pro)Wechsel 1–3 ×/Woche; meist Sekundärauflage über primärer Wundauflage
EpithelisierungRosa Epithel vom Rand, kaum ExsudatDünner Schaumstoff oder Hydrokolloid extra-dünn (z.B. Comfeel® Plus Transparent, Mepilex® Lite)Schutz vor mechanischer Belastung
Wundhöhle, TaschenTiefe Wunde mit UnterminierungHydrofaser-Tamponade (Aquacel® Extra, Suprasorb® Liquacel) oder Alginat-TamponadeLocker tamponieren, keine Hohlräume; Wundtiefe dokumentieren
Verbrennung Grad I–IIaRötung mit oder ohne kleine Blasen, schmerzhaftHydrogel-Brandauflage (Burnshield®) oder Silikon-Wundkontakt (Mepitel® One)Kühlung sofort, dann Wundauflage. Blasen meist erhalten. Schmerztherapie p.o.
Atrophische AltershautSchürfung, Hämatom, dünne HautSilikon-Klebepflaster (sehr atraumatisch); kein klassisches HautpflasterVermeidung von Sekundärtraumen beim Verbandwechsel

Schweizer Tarif: MiGeL 1.1.2026 und Apothekenberatung

Die wirtschaftliche und tariflichen Einbettung der Wundversorgung in der Schweizer Apotheke ist über mehrere Mechanismen geregelt.

Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL): zentrale Vergütungsgrundlage für Wundversorgungsmaterial in der Schweiz. Die aktuelle Ausgabe ist die MiGeL vom 1. Januar 2026 (Bundesamt für Gesundheit BAG); sie umfasst rund 20 Medizinproduktegruppen mit Referenz auf über 55'000 Artikel. Wundversorgung wird vor allem unter Kapitel 35 «Verbandmaterial» geführt, mit den Unterpositionen 35.01 «Konventionelle Wundpräparate ohne wundwirksame oder antibakterielle Inhaltsstoffe» (z.B. 35.01.01 Falt-/Vlieskompressen, 35.01.02 imprägnierte/beschichtete Wundkompressen) sowie weiteren Positionen für moderne Wundauflagen mit wundwirksamen Komponenten. [9,10]

MiGeL-Struktur seit Februar 2022 (drei Kategorien nach Vergütungslogik – nicht nach Produktklasse):

  • Kategorie A: Produkte, die im Rahmen der Selbstanwendung (durch versicherte Person oder nichtberuflich mitwirkende Person) nach HVB Selbstanwendung vergütet werden; bei Anwendung durch Pflegefachpersonen erfolgt die Vergütung gemäss den Regeln der Pflegefinanzierung nach Artikel 25 und 25a KVG.
  • Kategorie B: Produkte, die den Krankenkassen verrechnet werden (typisches Verbandmaterial, Inkontinenzhilfen, Kompressionstherapiemittel, Stomaartikel etc.).
  • Kategorie C: hochspezialisierte Produkte wie Wund-Vakuum-Systeme (NPWT), Heimventilation, Portkanülen; seit 1. Oktober 2022 ebenfalls über die Krankenkassen abgerechnet.

Höchstvergütungsbetrag (HVB): entspricht dem maximalen Betrag, den die OKP erstattet (Art. 24 Abs. 3 KLV). Die Patientin oder der Patient kann jedes geeignete Produkt im Rahmen dieses HVB auswählen; übersteigt der Produktpreis den HVB, trägt die Patientin oder der Patient den Mehrbetrag selbst. Apothekenseitige Aufklärungspflicht: Patientinnen und Patienten müssen über Selbstkostenanteile informiert werden, bevor die Abgabe erfolgt. [9,10]

Differenzierung HVB Selbstanwendung vs. HVB Pflege: Bei Produkten, die sowohl von Patientin oder Patient selbst als auch im Rahmen einer Pflegeleistung nach Art. 25a KVG angewendet werden können, gilt der reduzierte HVB Pflege, wenn das Produkt durch Pflegefachperson oder Organisation der Krankenpflege (Spitex) bzw. im Pflegeheim verrechnet wird – das ist eine relevante Konstellation für die Apotheke, weil Doppelverrechnungen ausgeschlossen werden müssen. [9]

Wundversorgung im Rahmen ärztlicher Behandlung: Mittel und Gegenstände, die durch Leistungserbringer nach Art. 35 Abs. 2 KVG (Ärztin oder Arzt, Spital, Physiotherapie etc.) im Rahmen ihrer Tätigkeit – nicht für Pflegeleistungen nach Art. 25a KVG – angewendet werden, sind nicht in der MiGeL enthalten; deren Vergütung ist in den jeweiligen Tarifverträgen (z.B. TARMED, ab 1.1.2026 grossteils abgelöst durch TARDOC) geregelt. [9]

Apothekentarif LOA V (per 1.1.2026): Der neue Schweizer Apothekentarif vergütet die pharmazeutische Beratungsleistung – inklusive Beratung zur Wundversorgung – als separate Position. Apothekerinnen und Apotheker, die regelmässig Wundberatung anbieten, können diese als beratende Leistung abrechnen, sofern die Voraussetzungen (Beratungsdauer, Dokumentation) erfüllt sind. [9]

Selbstmedikation ausserhalb MiGeL: Pflaster, kleine sterile Wundauflagen, OTC-Antiseptika und Erste-Hilfe-Material werden in der Apotheke ohne Rezept verkauft; diese Produkte sind nicht über die OKP vergütet (Selbstzahlung). Eine Privatversicherung oder Zusatzversicherung kann diese Kosten in begrenztem Umfang erstatten.

Sicherheit, Hygiene, Allergien, Schmerz

Allgemeine Sicherheitsregeln in der Wundversorgung:

Hygiene und Asepsis: Händedesinfektion vor und nach jedem Verbandwechsel, sterile Materialien (Kompressen, Wundauflagen, Spüllösungen), Einmal-Handschuhe; bei Kontakt mit Wundsekret oder potenziell infektiösem Material auch FFP-Maske und Schutzbrille erwägen. Mehrfach verwendete Instrumente (Scheren, Pinzetten) müssen sterilisiert werden – im Apothekenkontext bei Hilfe in akuten Verletzungen meistens Einmalmaterial. [11]

Spüllösungen: sterile Kochsalzlösung 0.9 %, sterile Ringer-Lösung oder körperwarme Antiseptika (PHMB, Octenidin, NaOCl/HOCl). Leitungswasser ist in Studien zur akuten Wundreinigung in industrialisierten Ländern weitgehend akzeptiert, wird aber in der Schweizer Spitex- und Wundambulatorium-Praxis nicht für chronische Wunden empfohlen (Risiko Pseudomonas-Kontamination aus Leitungssystemen, insbesondere bei Filter-fehlerhafter Versorgung). [7]

Wundabstrich: nur bei klinischem Infektionsverdacht und gezielter Fragestellung; Routine-Abstriche bei jeder Wunde sind nicht indiziert (jede chronische Wunde ist mit Hautflora kolonisiert, ohne dass dies klinisch relevant wäre). Bei Abstrich-Indikation: Wundgrund nach Reinigung; idealerweise tiefe Biopsie oder Curettage statt Oberflächenabstrich. [7]

Tetanus-Impfprophylaxe (Schweizerischer Impfplan 2026): Bei jeder akuten Wundverletzung Impfstatus prüfen. Die Schweizer Empfehlung unterscheidet sich zwischen Erwachsenen mittleren Alters und Risikogruppen: Erwachsene 25–64 Jahre: bei sauberen oberflächlichen Wunden Auffrischung indiziert, falls letzte Tetanus-Impfung > 20 Jahre zurückliegt; bei verschmutzten, tiefen, infizierten oder Pfählungs-/Bisswunden Auffrischung falls > 10 Jahre. Kinder und Personen ≥ 65 Jahre: saubere oberflächliche Wunden Auffrischung falls > 10 Jahre, verschmutzte/tiefe Wunden falls > 5 Jahre. Bei nicht oder unsicher Geimpften zusätzlich passive Immunisierung mit Tetanus-Immunglobulin (z.B. Tetagam®) erwägen. Auffrischimpfungen erfolgen in der Schweiz typischerweise mit dT-/dTpa-Kombinationsimpfstoffen (z.B. Boostrix®, Boostrix Polio). [15]

Allergien und Sensibilisierungen: Häufige Sensibilisierer in der Wundversorgung sind: Latex (heute meist Nitril ersetzt), Wollwachsalkohole (in vielen Salbenbasen), Konservierungsmittel (Parabene, Methylisothiazolinon), Duftstoffe, Antibiotika (Neomycin), Jodverbindungen, Silber, Hydrokolloid-Klebstoffe. Bei wiederholtem Hautausschlag um Wundauflagen: Verdacht auf Kontaktallergie, ggf. Wechsel zu Silikon-basierten oder kollagen-haltigen Produkten, dermatologische Allergie-Abklärung mit Epikutantest. [7,11]

Schwangerschaft und Stillzeit: PHMB und DACC sind sicher anwendbar; Octenidin kann verwendet werden (in Schwangerschaft Daten begrenzt, aber unbedenklich); Iodverbindungen sind in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Neugeborenen zurückhaltend einzusetzen (Schilddrüsenrisiko); Silber bei kurzer Anwendung unbedenklich. Bei medizinischem Honig: keine spezifischen Schwangerschafts-Kontraindikationen.

Schmerzmanagement: Wundschmerz ist häufig und unter-adressiert. Akute Wundschmerzen mit Paracetamol oder NSAR (Ibuprofen 400 mg p.o.) behandeln; bei chronischen Wundschmerzen Stufenplan nach WHO (NSAR → schwach wirksame Opioide → starke Opioide). Verbandwechsel-spezifischer Schmerz kann durch atraumatische Auflagen (Silikon-Wundkontakt), feuchten Verbandwechsel (Vorbefeuchten der Auflage), Lokalanästhetika (Lidocain-Gel; bei chronischen Wunden mit Vorsicht – Methämoglobinämierisiko, Resorption) und Pre-medication (Schmerzmittel 30 Min. vor Wechsel) reduziert werden. [7,12]

Ausblick: Kaltplasma, NPWT, digitale Wundversorgung, neue Apothekenrolle

Die Wundversorgung verändert sich weiter – sowohl technologisch als auch im Versorgungskonzept. Fünf Entwicklungen prägen die nächsten Jahre:

Erstens: Kaltplasma-Technologie. Die AWMF-S2K-Leitlinie zum rationalen therapeutischen Einsatz von kaltem physikalischem Plasma (publiziert 2022) hat die Behandlung chronischer Wunden mit Kaltplasma-Geräten als evidenzbasierte Option etabliert. Kaltplasma generiert reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies (ROS/RNS), die antimikrobiell wirken, die Hautdurchblutung erhöhen und proliferative Effekte zeigen. Verschiedene zertifizierte Kaltplasma-Geräte sind in spezialisierten Wundzentren in der DACH-Region etabliert. In der Schweiz erfolgt der Einsatz vorwiegend in Wundambulatorien und dermatologischen Spezialpraxen; eine breite Verfügbarkeit in der Apotheke ist nicht zu erwarten, aber die Apotheke kann Patientinnen und Patienten über die Therapieoption informieren. [18,19]

Zweitens: Negative Pressure Wound Therapy (NPWT). Das Wund-Vakuum-System wird zunehmend ambulant eingesetzt; in der Schweiz ist die Versorgung über spezialisierte MiGeL-Kategorie-C-Leistungserbringer geregelt (Vermietung von NPWT-Geräten und Verbrauchsmaterial). NPWT verbessert die Heilung bei tiefen, stark exsudierenden, chronischen oder komplexen Wunden – auch im häuslichen Setting möglich, wenn Spitex die Versorgung übernimmt. Apothekenrolle: Beratung bei Patientenfragen, ggf. Vermittlung an die zuständigen Versorger.

Drittens: Digitale Wundversorgung und Telemedizin. Tele-Wundkonsultationen mit Wundfotografie und Verlaufstracking sind in mehreren Schweizer Kantonen pilotiert. Mit dem elektronischen Patientendossier (EPD) und neuen digitalen Wunddokumentations-Tools (z.B. SwissDOC, MyAvatar®-Wundtool) wird die strukturierte Wunddokumentation einfacher und der interprofessionelle Austausch zwischen Apotheke, Hausarztpraxis, Spitex und Wundambulatorium leichter. KI-basierte Wundbild-Analyse-Tools (Wundgrösse, Gewebeart-Klassifikation, Heilungs-Prognostik) sind ab 2026 verstärkt in der klinischen Anwendung – ihre Rolle in der Apothekenpraxis wird sich entwickeln.

Viertens: Bioactive Wundauflagen und neue Materialien. Kollagen-basierte Wundauflagen, mit Wachstumsfaktoren imprägnierte Auflagen, Hyaluronsäure-haltige Produkte und «smart bandages» mit Sensoren für pH, Temperatur und Exsudationsgrad werden 2026/2027 zunehmend marktreif. Schweizer Marktzulassung und MiGeL-Aufnahme erfolgen schrittweise.

Fünftens: Erweiterte Apotheken-Kompetenzen. Mit der KVG-Reform werden in der Schweiz die OKP-pflichtigen Apothekenleistungen schrittweise erweitert (Impfen, Medikationsanalyse, Screening-Programme, künftig ggf. auch dedizierte Wundberatungs-Sprechstunden in Apotheken mit entsprechender Qualifikation). Pilotprojekte zu apothekenbasierten Wundsprechstunden laufen in mehreren Kantonen; eine flächendeckende Etablierung würde die niederschwellige Erstberatung deutlich verbessern. Voraussetzung: pharmazeutische Weiterbildung in Wundmanagement (z.B. SAfW-Kurs, FPH-Modul) und Vernetzung mit lokalen Versorgungsstrukturen.

Fall-Vignette

Fallvignette: Frau M. mit Ulcus cruris venosum – die Apotheke als Brücke

Frau M., 78, kommt seit zwei Jahren regelmässig in die Quartierapotheke. Sie holt Material für ihren Ulcus cruris venosum am rechten Innenknöchel. Heute, an einem Donnerstagmorgen, sitzt sie länger als sonst am Beratungsstuhl.

Die Apothekerin – Frau Stähli – bemerkt es sofort. Sonst kommt Frau M., holt ihre Schaumstoff-Auflagen (Mepilex® Border 10 × 10 cm), ihre Kurzzug-Binden, eine Wundspüllösung. Heute schaut sie irgendwie verschattet drein.

«Frau M., wie geht es Ihnen heute?»

Frau M. seufzt. «Mein Bein, Frau Stähli. Es wird einfach nicht besser. Seit der Spitex-Wechsel letzten Sommer kommt jetzt eine andere Schwester, die ist sehr nett, aber sie macht das ganz anders als die vorher. Andere Verbände, anderes Spülmittel. Und ich glaube, es wird schlechter.»

«Darf ich kurz schauen, wenn Sie mir die Stelle zeigen?»

Frau M. krempelt ihren Hosenbeinaufschlag hoch. Über dem Innenknöchel ein Verband, locker, etwas durchgeblutet. Frau Stähli sieht nach: Wundumgebung zeigt eine ausgeprägte Stauungsdermatitis, der Wundrand ist hyperkeratotisch und teils unterminiert. Sie sieht keine akute Infektion (kein deutlicher Geruch, keine starke Rötung > 2 cm um den Wundrand, keine eitrige Exsudation), aber das Bild ist nicht das einer heilenden Wunde.

Sie fragt nach: «Können Sie mir sagen, was die Spitex jetzt anders macht?»

Frau M. überlegt. «Die spülen jetzt nur noch mit Kochsalz. Vorher war es so ein PHMB-Spülmittel, hat die immer gesagt. Und sie hat jetzt diese silbernen Auflagen weggelassen. Sagt, das brauche ich nicht mehr.»

Frau Stähli notiert sich das. «Und Ihre Kompressionsversorgung?»

«Den Strumpf, den ich morgens anziehe, den Klasse 2. Aber wissen Sie, manchmal ist mir das zu mühsam, dann lasse ich ihn einfach. Heute zum Beispiel.»

Frau Stähli denkt nach. Drei wichtige Beobachtungen: erstens, die Wunde scheint stagnierend, ohne klare Infektionszeichen, aber mit gestörtem Wundrand – das ist klassisch das «E» im TIME, was hier nicht gut läuft. Zweitens, Kompressionsadhärenz ist ein Problem – ohne Kompression heilt kein Ulcus cruris venosum. Drittens, das Material- und Spülmittel-Konzept der Spitex sollte mit der Hausärztin koordiniert sein – sie weiss aus früheren Beratungen, dass Frau M.s Hausärztin Dr. Rüegg regelmässig Verlauf prüft, aber nicht selbst die Verbände wechselt.

«Frau M., zwei Dinge, die wir besprechen sollten. Erstens: die Kompression. Ich verstehe, dass der Strumpf mühsam ist. Es gibt Hilfsmittel – eine Anziehhilfe wie der Easy-Slide oder ein Magnide, das macht das morgendliche Anziehen viel einfacher. Die sind über die Krankenkasse vergütet, wenn die Indikation gestellt wird. Ich kann das mit Ihrer Hausärztin koordinieren, dann schreibt sie das Rezept und ich besorge es Ihnen. Soll ich heute Nachmittag bei ihr anrufen?»

Frau M. nickt langsam.

«Zweitens: die Wundsituation. Mir gefällt nicht, dass die Wunde nicht heilt – das hat verschiedene mögliche Gründe, und ich denke, da sollten wir nicht abwarten. Ich würde Frau Dr. Rüegg vorschlagen, dass sie Ihre Wunde mal wieder anschaut und ggf. eine Vorstellung im Wundambulatorium des Kantonsspitals erwägt – dort gibt es spezialisierte Wundexpertinnen SAfW, die genau solche Situationen interdisziplinär anschauen. Damit alle – Ihre Hausärztin, die Spitex, das Wundambulatorium und ich – am gleichen Strang ziehen.»

Frau Stähli schreibt eine kurze Notiz mit ihren Beobachtungen: Wundstillstand seit ca. 4 Wochen, Wundrand hyperkeratotisch, unterminiert, geringe Adhärenz Kompression, möglicher Anpassungsbedarf des Versorgungskonzepts. Sie fragt Frau M. um Erlaubnis, das mit der Hausärztin zu teilen, und ruft am gleichen Nachmittag.

Frau Dr. Rüegg ist froh über den Anruf. Sie hatte Frau M. zwar im letzten Quartal gesehen, war aber selbst unsicher, ob das Versorgungskonzept noch passt. Sie veranlasst eine Vorstellung im Wundambulatorium für die folgende Woche.

Drei Wochen später kommt Frau M. wieder in die Apotheke. Wundambulatorium-Termin war hilfreich: dort wurde der ABI gemessen (in Ordnung), die Wundrand-Hyperkeratose abgetragen, das Wundbett mit PHMB-Lösung neu reinitiiert, und ein neues Verbands-Konzept besprochen (Foam mit Silikon-Kontakt, Kurzzug-Mehrkomponenten-Kompressionsverband statt Strumpf, weil sie das System mit dem Strumpf nicht zuverlässig anwenden kann). Spitex wendet jetzt das Mehrkomponenten-Bandagen-System (UrgoK2®) an, das 7 Tage bleibt und vorab die Kompression sichert. Frau M. ist erleichtert: kein Strumpf-Anziehen morgens, gleichmässige Kompression.

Vier Wochen später ist die Wunde deutlich kleiner. Heilung ist nicht abgeschlossen, aber der Trend ist klar positiv. Frau M. sagt zu Frau Stähli: «Sie haben damals gesagt, alle ziehen am gleichen Strang. Das hat den Unterschied gemacht.»

Drei Erkenntnisse aus dem Fall:

  • Die Apotheke ist in der Versorgung chronischer Wunden oft die Brücke – nicht primär die ausführende Stelle, aber die Person, die Patientinnen und Patienten am häufigsten sieht und die regelmässig Materialbestellungen verarbeitet. Damit ist sie in einer einzigartigen Position, frühe Hinweise auf Stagnation, Compliance-Probleme oder Koordinationsfragen aufzunehmen.
  • Bei chronischen Wunden, die nicht heilen, lohnt sich ein strukturiertes TIME-Reassessment durch ein spezialisiertes Setting (Wundambulatorium mit SAfW-zertifizierter Wundexpertin oder -experte, Hausarztpraxis mit Wund-Schwerpunkt, Spitex mit Wundkompetenz). Die Apothekenrolle ist es, dies anzustossen, nicht selbst die Diagnose zu stellen.
  • Kompressionstherapie-Adhärenz ist der entscheidende Hebel beim Ulcus cruris venosum. Anziehhilfen (über MiGeL erstattbar) und Alternativen wie Mehrkomponenten-Kurzzug-Bandagen (UrgoK2®, Coban® 2-Layer) können bei mangelnder Compliance den Unterschied machen.

Kompakt

  • Triage-Prinzip: Tiefe, klaffende, stark blutende, infizierte, gelenk-/gesichts-/hand-nahe oder bei Risikopatientinnen und -patienten lokalisierte Wunden gehören in ärztliche Hände. Oberflächliche, kleine, saubere akute Wunden ohne Risikofaktoren sind apothekenfähig.
  • Feuchte Wundheilung als Goldstandard: moderne interaktive Wundauflagen (Hydrokolloid, Schaumstoff, Hydrofaser, Alginat, Superabsorber) sind der trockenen Mullkompresse überlegen – Granulation und Epithelisierung schneller, atraumatischer Verbandwechsel.
  • TIME-Konzept strukturiert die Beurteilung chronischer Wunden: T (Tissue) – I (Inflammation/Infection) – M (Moisture) – E (Edge). Dokumentation bei jedem Verbandwechsel.
  • Antiseptika gezielt einsetzen: Polyhexanid (PHMB) und Octenidin sind 1. Wahl. Silber in der Schweiz MiGeL-vergütet auf infizierte/kritisch kolonisierte Wunden eingegrenzt und auf 30 Tage limitiert (MiGeL-Revision 2022); nur EIN antimikrobielles Produkt pro Wunde; keine Routine-Anwendung bei sauberen Wunden.
  • Kompression bei Ulcus cruris venosum ist kausale Therapie – Wundauflage allein heilt nicht. ABI-Bestimmung vor jeder Kompression obligat (Ausschluss pAVK). Bei Adhärenzproblemen: Anziehilfen und Mehrkomponenten-Bandagen erwägen.
  • Diabetisches Fusssyndrom: jeden auch oberflächlichen Befund an Hausarzt/Diabetes-Beratung weiterleiten. Hautpflege und Selbstuntersuchung der Patientin oder des Patienten begleiten.
  • Schweizer Tarif: MiGeL 1.1.2026 ist Vergütungsgrundlage; HVB (Höchstvergütungsbetrag) je Position; Aufklärungspflicht über Selbstkosten. Apothekenberatung über LOA V (1.1.2026) abrechenbar.
Referenzen
  1. [1] Schweizerische Akademie für Wundbehandlung (SAfW): «Wundkompendium der Schweizerischen Gesellschaft für Wundbehandlung.» safw.ch/images/pdf/Wundkompendium.pdf.
  2. [2] Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) et al.: AWMF-S3-Leitlinie 091-001 «Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus oder chronischer venöser Insuffizienz». Stand 11.09.2023, gültig bis 10.09.2028, register.awmf.org/de/leitlinien/detail/091-001 (mit Beteiligung von 22 Fachgesellschaften). Ergänzende Übersicht: Dissemond J, Assenheimer B, Bültemann A, et al.: «Moderne Wundtherapie – praktische Aspekte der lokalen, nicht-interventionellen Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden.» JDDG 2014; 12(7): 541-554.
  3. [3] Initiative Chronische Wunde (ICW): Positionspapier «Nomenklatur des Débridements chronischer Wunden.» Dissemond J et al., Hautarzt 2022; 73: 369-374, doi: 10.1007/s00105-022-04944-3.
  4. [4] Universitätsspital Zürich (USZ): «Chronische Wunden – Krankheitsbild.» usz.ch/krankheit/chronische-wunden.
  5. [5] Schweizerische Akademie für Wundbehandlung (SAfW): Epidemiologische Übersichten zu Schweizer Wundprävalenz; ergänzt durch Robert Bosch Krankenhaus, «Diabetisches Fusssyndrom und chronische Wunden», sowie deutsche/internationale Vergleichsdaten.
  6. [6] AMBOSS: «Chronische Wunden und Wundbehandlung.» amboss.com/de/wissen/chronische-wunden-und-wundbehandlung, aktualisiert 2026.
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  8. [8] Möhrle K, Dissemond J, et al.: «Die moderne Wundantiseptik – Indikationen und Limitationen.» Gefässchirurgie 2020; 25: 256-263, doi: 10.1007/s00772-020-00639-y.
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  10. [10] Swiss Medtech, Fachgruppe MiGeL: «MiGeL: Mittel- und Gegenstände-Liste der OKP.» swiss-medtech.ch/verband/fachgruppe/migel.
  11. [11] Mölnlycke Health Care: «Tipps zum sinnvollen Einsatz und Umgang mit Verbandmitteln.» molnlycke.com/de-de/wundversorgung/expertenwissen.
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  13. [13] Pharmazeutische Zeitung: «Fünf Bausteine der Wundbehandlung.» pharmazeutische-zeitung.de/wenn-wunden-nicht-heilen-wollen-136733/.
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  15. [15] Bundesamt für Gesundheit BAG: «Schweizerischer Impfplan 2026.» bag.admin.ch/impfplan – Tetanus-Prophylaxe bei Wunden.
  16. [16] Winter GD: «Formation of the scab and the rate of epithelization of superficial wounds in the skin of the young domestic pig.» Nature 1962; 193: 293-294 (Original-Publikation feuchte Wundheilung).
  17. [17] Probst S (Hrsg.): «Wundmanagement – ein Lehrbuch für die Pflege- und Gesundheitsberufe.» 2. Auflage 2019; und WundD.A.CH-Kongress 23.-24.6.2025, Freiburg i.Br., Kongresspräsident Prof. Dr. Sebastian Probst (HES-SO Genf).
  18. [18] Bekeschus S, Boeckmann L, Thiem A, Emmert S: «Die Kaltplasma-Technologie in der Behandlung von Menschen mit chronischen Wunden.» JDDG 2026 (e-published 5.2.2026), doi: 10.1111/ddg.70053.
  19. [19] AWMF: S2K-Leitlinie «Rationaler therapeutischer Einsatz von kaltem physikalischem Plasma» (Reg.-Nr. 007-107), publiziert 2022.
  20. [20] Mayer D, Probst S: «Aktualisierte Vergütungsregelungen für silberhaltige Wundauflagen in der Schweiz: Implikationen der MiGeL-Revision 2022 für die Wundversorgung.» WUNDmanagement 2024; 18(4) – Schweizer Schlüsselpublikation zur 30-Tage-Anwendungslimite und Eingrenzung auf infizierte/kritisch kolonisierte Wunden seit MiGeL-Revision 1.10.2022.
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Mario Punch

Autorin/Autor bei Dispensio.

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